Author: Marc N Zeimet

  • Von Mode zu Weisheit: Wie Virginie mein Leben mit Liebe, Stil und Wissen erfüllte

    Von Mode zu Weisheit: Wie Virginie mein Leben mit Liebe, Stil und Wissen erfüllte

    Aus meiner Kindheit habe ich liebevolle und freudige Erinnerungen an meine Patentante Virginie. Sie hatte früh erkannt, dass ich ein wissbegieriger Junge war, und schenkte mir zu allen möglichen Anlässen Bücher. Sie wusste genau, was zu mir passte. Viele dieser Bücher habe ich wie einen Schatz gehütet, sie in meiner Bibliothek prominent aufgestellt und die meisten besitze ich noch heute – gepflegte Unikate, die für mich einen besonderen Wert haben.

    Ein Set von Lexika, das sie mir schenkte, als ich noch in der Grundschule war, ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ich las diese Lexika wie ein einziges Buch. Jedes Wort, das erklärt wurde, weckte mein Interesse, öffnete mir ein Fenster zur Welt und offenbarte mir neue Aspekte des Wissens, die ich mit Begeisterung aufnahm und in meinem Gedächtnis speicherte. Ihre Geschenke waren eine wertvolle Ressource, die meinen Wissensdrang stillten und mein Herz erfreuten – bis der nächste Geburtstag, der nächste Namenstag, das nächste Oster- oder Weihnachtsfest mir wieder die Gelegenheit boten, reichlich beschenkt zu werden.

    My godmother Virginie Muller from Bous in Luxembourg

    Mit Spielsachen konnte ich weniger anfangen. Einmal schenkte sie mir ein Miniatur-Geländefahrzeug, das sie sicher eine Stange Geld gekostet hatte. Ich versuchte, die Eigenschaften und Funktionen dieses Spielzeugs zu erkunden, doch es war mir zu schade, es zu benutzen. Stattdessen stellte ich es als Andenken an die Güte meiner Tante auf das Abdeckbrett des Heizkörpers in meinem Kinderzimmer – und dort steht es noch heute.

    Ein weiteres Buch, das ich heute noch lebendig vor Augen habe, ist eines über die Olympischen Spiele von 1974. Natürlich standen der Sport und die Wettkämpfe im Mittelpunkt, doch das Attentat, das damals die Welt erschütterte, zog mich aus meiner kindlichen Naivität heraus und öffnete mir die Augen für die Schrecken von Gewalt und Terrorismus. Ich habe immer wieder die Berichterstattung in diesem Buch nachgelesen und die erschütternden Bilder dieses Vorfalls angesehen – ein Erlebnis, dessen Auswirkungen ich bis heute nicht vollständig in Worte fassen kann.

    Und dann sind da noch die regelmäßigen Grußkarten, die meine Tante uns zu Geburtstagen und Namenstagen schickte. Sie hatte ein feines Gespür dafür, was uns gefallen würde: Mecky-Karten mit humorvollen Sprüchen, die heute noch auf eBay für Sammler angeboten werden. Diese Karten sind für mich heute ein bleibendes Symbol ihrer Fürsorge und Zuwendung. Sie dachte an uns, kümmerte sich um uns, teilte ihre Ratschläge und Ansichten. Ihre Empathie und ihr großes Herz sprachen durch jede Geste, jede Handlung und jedes Wort.

    Mit der Zeit entwickelte sich eine weitere Facette von Virginie. Sie arbeitete als Modedesignerin in einem exklusiven Geschäft in Luxemburg-Stadt, dem ‘Paris Fourrure’. Neben großen Marken führte das Geschäft auch hochwertige Modeartikel von Pierre Cardin – immer stilvolle Kleidersets, die den Charme von Luxus ausstrahlten. Zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Weihnachten konnte man sicher sein, ein Geschenk von Virginie zu erhalten: einen Schal mit den berühmten Insignien von Pierre Cardin. Diese Erwartung wurde nie enttäuscht. Wenn es nicht der Schal war, dann ein edles Hemd oder ein stilvoller Pullover – immer perfekt ausgewählt, immer passend zu unserem Stil.

    Virginie hatte ein untrügliches Gespür für Mode und Design. Sie wusste genau, was gut aussah und welche Kleidung sich harmonisch in das Gesamtbild einfügte. Ihre Auswahl war nie zufällig; sie hatte ein Talent, das weit über das bloße Einkaufen hinausging. Und das Beste daran: Sie blieb auch nach dem Kauf unsere persönliche Modeberaterin. Sie wusste, wie man ein Kleidungsstück perfekt in Szene setzte, damit es nicht nur getragen, sondern auch bewundert wurde. Sie gab immer wertvolle Tipps, wie das Outfit das Beste aus uns herausholen konnte – ob es den Look verstärkte, uns erstrahlen ließ oder ein besonderes Statement setzte.

    In gewisser Weise war sie unsere ganz persönliche Stilberaterin – und das völlig kostenlos. Ihr einziges Ziel war es, dass wir uns wohl und erfolgreich fühlten. Diese Art von Unterstützung war ein echtes Geschenk, das wir nicht oft genug schätzen konnten.

    Virginies Norwegenreise: Erinnerungen, die in Souvenirs lebendig bleiben

    Es gibt viele Erinnerungen an meine liebe Patin Virginie, und eine davon, die jetzt aus der Tiefe meines Gedächtnisses wieder lebendig wird, ist eine Reise, die sie mit ihrer langjährigen Freundin Rolli K. aus Greiveldingen unternahm. Die Reise führte sie hoch in den Norden Europas – mit dem Flugzeug nach Oslo, von dort eine Rundreise zu den Fjorden, den Bergen, nach Trondheim und Lillehammer, und schließlich zurück in die norwegische Hauptstadt. Ich erinnere mich daran, wie Virginie oft von den Naturschauspielen Norwegens erzählte und ihre Augen dabei glänzten. Dass sie in Lillehammer an mich und meine Geschwister gedacht hat, zeigen noch heute die Souvenirs, mit Motiven dieser olympischen Stadt, die sie uns von dort mitbrachte. Für mich war es ein Leder-Buchzeichen, auf dem Sehenswürdigkeiten aus Norwegen eingestanzt sind, unter anderem das berühmte Radhuset (Stadt-Rathaus | City Hall) in Oslo in dem der Friedensnobelpreis überreicht wird. Später – Anfang der 90er Jahre , als ich mit meinem Bruder Claude nach Uppsala in Schweden zu einer Sommeruniversität fuhr und wir einen Stopp in Oslo machten, war es mir ein spontanes Anliegen, diese Gebäude zu besichtigen. Ich bin sicher, dass ich von dieser Darstellung auf dem Lesezeichen angetrieben wurde – ein Gebäude, das für mich eine persönliche Bedeutung hatte.

    In Lillehammer gab es einen Stopover auf Virginie’s Rundreise, denn von dort brachte sie für meine Geschwister Miniatur-Darstellungen von Robben mit, mit echtem Tierfell. Auch an große weiße multifunktionale hölzerne Bleistifte erinnere ich mich, an denen die norwegische Fahne als Anhänger an einem Radiergummi befestigt war. Diese Gegenstände waren damals ein echtes Highlight – besonders Anfang der 70er Jahre, als solche exotischen Reiseartikel sicher Bewunderung und Neid auf sich zogen, wenn man sie in der Schule zeigen konnte.

    Ja, meine Patentante war, in ihren jungen Jahren, immer sehr reiselustig, und ich erinnere mich auch an einen unvergesslichen Aufenthalt in Wildhaus in der Schweiz auf den sie mich mitnahm. Es war wohl das erste Mal, dass ich in der Ostschweiz war, den hohen Schnee erlebte und die imposanten Berge hautnah bestaunen konnte. Das war ein Erlebnis voller Ehrfurcht.

    Hat sie meine eigene Reiselust geweckt? Das ist durchaus möglich. Aber immer wieder denke ich, in dieser Hinsicht, an meinen Großvater Nic, der in Bous den respektvollen Kosenamen „Kéipleien“ trug und in seiner Sorge um seine älteste Tochter Maria nach Leysin reiste, um sie im Sanatorium zu besuchen. Leysin liegt im Hinterland des Lac Léman, und in den 1920er Jahren, mit begrenzten finanziellen Mitteln, war es eine Reise, die Mut und Talent zum Weltreisenden verlangte. Es erfordert Respekt, so eine Reise zu unternehmen – Hut ab! Reisen scheint in den Genen der Familie zu liegen, wie mir scheint, zumindest mütterlicherseits, in grader Linie von meinem Großvater Nic, über meine Tante Virginie, bis zu mir und meinem Sohn Tom.

  • Die Geschichte eines Familiennamens: von Siegmund bis Zeimet

    Die Geschichte eines Familiennamens: von Siegmund bis Zeimet

    Aufmerksam wurde ich auf diese Fragestellung als Professor Dr Peter Gilles, seines Zeichens Sprachwissenschaftler und Experte für Linguistik an der Universität Luxembourg sein Projekt Luxemburgischer Familienatlas (LFA) popularisierte und eine Datenbank gestützte Internetseite freischaltete mit der Interessierte Einblick in Forschungsergebnisse zu den geläufigen Familiennamen im Großherzogtum nehmen konnten.

    Neugierig und dann einen Moment später überrascht ob des erklärenden Textes zum Familiennamen “Zeimet”: als Laie hätte ich gedacht Zeimet reimt irgendwie mit Steinmetz oder Seimetz, auch häufige Namen in der Großregion. Das LFA hingegen optiert für die Erklärung eines Ursprungs des Familiennamens bei dem mythologischen Helden (Norse | Nordische Mythen) namens Sigmund (Siegmund). Diese Figur kommt übrigens auch in der Germanischen Mythenwelt vor.

    Wenn man diesen sprachwissenschaftlich belegten Befund als Ausgangshypothese annehmen kann, dann stellt sich gleich die Frage wie dieser Name vom Helden Sigmund aus Skandinavien, seinem gleichnamigen Sippenverband der “Sigmunden”, heute in der Region Saarburg, zwischen der Saar und der Mosel und in Lothringen gehäuft als “Zeimet” auftritt.

    Gibt es einen historisch belegten, belastbaren Zusammenhang zwischen den “Siegmund” Stammesverbänden aus dem hohen europäischen Norden und den “Zeimet” Familiennamen-Trägern in der Großregion im Dreiländereck Saar-Lor-Lux?

    Ein interessantes Element auf der Suche nach Spuren einer Verbindung von Migranten aus Skandinavien ist wohl der Umstand, dass es immer Wanderungen zwischen den Skandinavischen Ländern, Norwegen, Schweden und Dänemark und den Britischen Inseln gab. Und es ist auch belegt, dass Schottland, im Mittelalter, als, im europäischen Vergleich, sehr entwickeltes Land, u.a Militärpersonal auf hohen Standards ausbildete und Truppen als Söldner an zahlende Kriegsfürsten in Europa bereitstellte. 

    Eine entsprechende Analyse dieses Phänomens haben Geschichtswissenschaftler unternommen und ihre Erkenntnisse sind beispielsweise in dem Buch mit dem Titel “Fighting for a Living” beschrieben, spezifischer in Kapitel 2 dessen Autor James Miller in seinem Beitrag, mit dem aussagekräftigen Titel “The Scottish mercenary as a migrant labourer in Europe, 1550-1650” auf diese mittelalterliche Serviceindustrie eingeht, und beispielsweise aufzeigt in welchen Ländern “schottische Söldnertruppen” zum Einsatz kamen.

    Es wird auch deutlich, dass viele, die meisten dieser Söldner, wenn sie die Kampfhandlungen in die sie qua ihrer Mission involviert wurden, überlebten, nicht nach Schottland zurückkehrten, sondern in fremden Ländern Europas gewissermaßen hängen blieben. 

    Spannend wird es wenn man den Namen “Mansfeld” in einer Aufzählung von Feldherren liest, die Truppen in Schottland orderten. (Peter) Ernst II, Graf von Mansfeld war Auftraggeber und er wird als in der Pfalz beheimatet geführt. Nicht irrelevant ist allerdings die Tatsache, dass der besagte (Peter) Ernst II, Sohn des Statthalters der spanischen Krone in Luxemburg war, beheimatet und wohnhaft im Schloss la Fontaine in Luxemburg-Clausen wo er 1604 gestorben ist, keinem geringeren als Peter Ernst I, Fürst von Mansfeld.

    Was wurde aus den schottischen Söldnern die für (Peter) Ernst II, Graf von Mansfeld gekämpft hatten, zunächst nach seiner verkorksten Belagerung von Breda und der Desertion von Truppenkontingenten der angeheuerten englischen (schottischen) Berufskriegern und später nach seiner Niederlage gegen Wallenstein? Eine spannende Frage, allemal.

    Wo und wie können wir das Rätsel auflösen? Sicherlich gibt es eine Reihe Pisten. Zunächst die traditionellen Wege. Das Aufsuchen von Spuren in den Geschichtsbüchern. Das Pilgern von einer Bibliothek in die andere. Mit der Hoffnung Anhaltspunkte zu finden, die dem Puzzle schlussendlich ein konkretes Bild geben. Dann nach der geschichtswissenschaftlichen Angehensweise mit der Durchforstung der papiernen Unterlagen, die genealogische Marschroute durch die zivilen Unterlagen, vom Geburtschein bis zum Todesschein über die Hochzeitsurkunde und andere gleichartige Dokumente mehr. Zeitgeschichtliche Entwicklungen über die verschiedenen anvisierten, ins Auge gefassten Perioden schließen dann wichtige kriegerische Auseinandersetzungen ein, damit verbundene militärische Bewegungen und unausweichliche menschliche Vertreibungen, Migrationen und Umsiedlungen von ganzen Gruppen in anderen Teilen des Kontinents. 

    Das trifft dem Vernehmen nach auch oft auf Truppenteile zu, welche nach Niederlagen, Auflösungsprozessen oder in besseren Situationen nach getanener Söldnerarbeit nicht mehr in ihr Ursprungsland, sprich Heimat zurückgehen können oder wollen. Wo (in Europa) konnten diese Fremdenlegionäre bleiben, wo waren sie willkommen, erwünscht, oder standen für andere Aufgaben und Aufträge bereit. 

    Und dann eine andere eher sprachwissenschaftliche Komponente dieses Fragenkomplexes. Was wurde aus dem ausländisch klingenden Familiennamen der Söldner. Wie wurden diese Männer in ihren Exilen neu genannt? Eingedeutscht, wie bei (Zeimet), aber es bleibt dennoch die Kernfrage wie kam es zu diesem neuen (assimilierten) Namen, aufgrund welcher Umstände, oder Elemente des Lebens dieser Krieger. Waren es Bezüge zu ihrer Herkunft, ihrer Ausbildung, ihrer Stärken, ihrer originellen Namen, Zugehörigkeiten zu Stämmen und Sippen, gar Spitznamen? 

    Und zu guter letzt, die neue Kompenente welche neue Aspekte in die Recherche nach Erkenntnissen einbringen kann: die Arbeiten des Nobelpreis-Trägers Svante Pääbo, in einer neuen Sparte der Möglichkeiten der Entschlüsselung von Geheimnissen welche die Menschheitsgeschichte noch beherbergt. Was kann die Paleogenetik uns helfen? Paleogenetische Analysen von Genomen von Namensträgern könnten Herkunftsinformationen freilegen. Gibt es ähnliche bis gleiche Muster in den Herkunftsdaten und Lebensplätzen die allen Untersuchten eigen sind, und welche immer wiederkehrende genetische Spezifizitäten ausdrücken?  

    Alles zusammengenommen, könnten diese Pisten, die zur Klärung der Frage, benötigte Quelle von Evidenz und belastbaren Erkenntnissen werden. 

    Konkret geht es jetzt in einer ersten Recherche-Phase darum, herauszufinden aufgrund von genealogischen Bevölkerungsdaten (Urkunden, zivilen persönlichen Scheinen [Geburt, Taufe, Hochzeit, Tod], wann der Familienname “Zeimet” im Großraum des Kreises Trier-Saarburg aufgetaucht ist. Die Vermutung besteht darin, dass bei den Schlachten im 30-jährigen Krieg (im Jahre 1635) und der zeitweisen Besetzung von Saarburg durch gefürchtete Schwedische Dragoner (Kavaliers-) Truppen, die zum Teil aus schottischen Söldnern bestanden, und nach deren Vertreibung, einzelne Kämpfer in diesem Gebiet zurückgelassen wurden, freiwillig zurückblieben, oder als Gefangene hier festgesetzt wurden.

    Bibliographie:

    1. Online-Kartierung Luxemburgischer Familienatlas
    2. Völsunga Saga | in: Wikipedia – The Free Encyclopedia
    3. WEY Philip (Hrsg) “1000 Jahre Saarburg | 964-1964” Stadtverwaltung Saarburg, 1964.
    4. ZÜRCHER Erik-Jan (2013) Fighting for a Living – A Comparative Study of Military Labour 1500-2000, Amsterdam University Press. ISBN 978-90-485-1725-1
    5. ISABROT Camila (2024) – Celtic and Norse Mythology Specialist and Artist, Creator of the Illustrations in the Header Background Image. The Artist offers her services on the Fiverr Services Platform and presents her creations on the Instagram Social Networking Service.
    6. Zwei norditalienische Städte, namentlich Barga (in der Toscana) und Gurro (Region Piemont) beanspruchen für sich einen gewissen Anteil an schottischstämmiger Bevölkerung aufzuweisen. Sie erklären den Umstand mit einer Schlacht in Pavia (24. Februar 1525) als schottische Söldnersoldaten wegen Unwettern hängen blieben und sich in diesen Städten ansiedelten.
    7. Ein BBC UK Beitrag zum Thema: “The Italian highlanders who may have Scottish roots” Der Bericht erzählt von schottischen Söldern der sogenannten Garde Ecossaise des französischen Königs François I., welche nach der Niederlage in der Schlacht von Pavia (1525), im Winter in Norditalien eingeschneit wurden, und im Dorf Gurro hängen blieben, schlussendlich sich dort permanent niederliessen und in die lokale Bevölkerung einheirateten.
  • Anlässlich des diesjährigen Autistic Pride Day | 18. Juni 2023

    Anlässlich des diesjährigen Autistic Pride Day | 18. Juni 2023

    Stolz auf die autistische Vielfalt

    Die Talente feiern und Herausforderungen überwinden: Hochfunktionale Asperger-Personen

    Wer kann sich diesen kleinen Jungen vorstellen, Ende der 60-ziger Jahre gerade mal 6 Jahre alt geworden war, der keine Freunde hat, immer alleine spielt, schüchtern und zurückgezogen bleibt, ängstlich daherkommt, wenig spricht, wegläuft wenn das Telefon klingelt, träumerisch wenn nicht gar nachdenklich in die Welt schaut, aber dann doch immer versucht, so wie es von ihm erwartet wird, artig und angepasst zu sein, wohl gute Miene zu machen wenn es Eltern, Lehrer*innen, allgemein  – die soziale Umgebung einfordert, dennoch bei alledem kein Bild eines glücklichen Jünglings abgibt.

    Menschen, die diesen Jungen näher und mithin besser kennen, und die Erinnerung geht an eine ältere, weise Witwe (die liebe und unvergeßliche Mariänn), die sich sporadisch im Haushalt in dem der kleine Junge aufwächst zum ‘Zeruuchten’ einfindet, lassen sich zuweilen zu Kommentaren über das Verhalten dieses Sprößlings aus: So fragte die ältere Dame einmal rhethorisch: Ich würde noch gerne wissen und erfahren was aus diesem besonderen, aparten Jungen später im Leben wird. Er hat so eine hohe Stirn, ich denke solche Menschen sind sehr intelligent”. 

    Und dann seine Hobbys: bevor er eingeschult wurde verbrachte er viel Zeit damit einen Blumengarten anzulegen und zu pflegen. Er sammelte Aprikosen-Kerne, und wilden Lupinen-Samen und es gelang ihm Pflänzlinge anzuzüchten, etwas was die Erwachsemen für sehr schwierig hielten. Vorallem die geometrisch und kreativ ausgedachten Beetanlagen stachen ins Auge. Zwischen zwei Pfosten der Einzäumung hatte er ein Brett angebracht mit einer im Holz ausgemeißelten Inschrift um  Besucher*innen seiner Anlage den Namen dieses Landschaftsarchitekten und GaLaBauers zu verraten.

    Bei seiner lieben Großmutter warb er einmal um das Aushändigen einer Bienenwabe: denn gleich seinem Großvater müttlerlicherseits wollte er ein Bienenvolk hegen und pflegen. Von seinem Vater hatte er eine Holzkiste “ergaunert”, in diese brachte er Hangvorrichtungen an, und hing so die Wabe ein. Dann stellte er “seinen” Bienenstock in einem Gartenhangar auf, und wartete auf die Sonne um ihm das Schlüpfen der Bienenmaden über ihre abgegebene Wärme zu unterstützen. Die Idee war genial und naiv zugleich. Erwachsene die das ganze Ansinnen verfolgten, schüttelten den Kopf und zollten dennoch Respekt für soviel Ideenreichtum, Beharrlichkeit und blühende, wenn nicht gar naive Erwartungshaltung.

    Und in der Zukunft erwies es sich, dass dieser Junge sehr intelligent war, in der Schule zuweilen ein Überflieger, aber auch dabei seine Eigenarten pflegte: Lesen und Notizen-Schreiben zu seinen Zeitvertrieben machte, obsessiv Bücher sammelte, Bibliotheken aufbaute, organisierte, umbaute, immer wieder neu ordnete und kategorisierte, auf sozialer Ebene, nach ein paar aufreibenden Erfahrungen (von erschöpfender Reizüberflutung) dann in der Folge Team-Sportarten mied, dafür aber ein besessener Radsportler wurde, dabei immer langere Einzelfahrten genoß, wobei er die Zeit der Fahrten für sich selbst genoß, als Sparring-Partner wohl gegen sich selbst fuhr, nicht zu letzt versessen, immer in Gedanken und Überlegungen, mit einem Beta-Gehirn das nicht abschalten kann. 

    Wie gestaltet sich ein Leben, ohne feste Freunde, in der sozialen Isolation, bei einem jungen Menschen – intelligent aber wenig integriert, introvertiert und mithin kommunikativ gewiss reserviert, in einem gesellschaftlichen Umfeld in dem “jene die angeben, sicherlich mehr vom Leben haben”?

    Jene die zurückgezogen leben, ausgefallenen Hobbies und Beschäftigungen nachgehen, nicht im Mainstream unterwegs sind, Discos und Bälle wie die Pest meiden, fallen nicht auf, stehen nicht im Rampenlicht, zählen nicht dazu, werden nicht mitgezählt, spielen keine wichtige Rolle.

    Das Leiden eines neurodiversen Menschen kann anstrengend bis äußerst schmerzlich sein, ein Leidensweg für viele, mit Phasen von Depressionen, intensivem Stress und Angstzuständen, mit Burnouts bis Meltdowns. In einer Gesellschaft die offensichtlich alle ausgrenzt die nicht im “Mainstream”, also in der gesellschaftlichen Hauptströmung sich treiben läßt, den sozio-kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit widerspiegelt, wird schnell als Sonderling angestempelt und auch so behandelt.

    Dieses subtile Ausgrenzen heißt dann auch zugleich die Abwesenheit von Integration, Valorisierung der Talente und Fähigkeiten dieser neurodiversen Gruppen von Gesellschaftsmitgliedern. Allerdings liegt in diesen gesellschaftlichen Verhaltensmustern auch das Tragische: ein Verzicht auf alles was diese Menschen an großen, wertvollen Beitragen leisten könnten.

    Ausgrenzend, subtil ausschließen, nicht zur Kenntnis nehmen, nicht einbeziehen, nur weil einer anders ist, und dabei doch vieles beitragen könnte zu Unterfangen, Projekten, als Teammitlgied in Wettbewerben. Ja, die Frage der besonderen Talente und Fähigkeiten dieser besonderen Gruppe von Gesellschaftsmitgliedern verdient eine andere Aufmerksamkeit: sie haben oft das Myers Briggs Persönlickeitsprofil INTJ oder INTP, sind in der wissenschaftlichen Literatur bezeichnet worden als “Architect” oder auch als “Mastermind” (Superhirn). 

    Und diese Typen haben allerbestens einen Platz am Rande von Gruppen inne, machen (unberechtigterweise) neurotypischen Menschen Angst, werden falsch eingeschätzt, weil nicht verstanden, als gefühlskalt, überheblich, abgehoben, unnahbar, bis narzisstisch angesehen. Und all das bestätigt sich erstens nicht, und darüber hinaus wer neurodiverse Menschen richtig kennt, ist überrascht und nicht selten erstaunt über ein ungeschliffenes Juwel das sie entdecken.

    2023 Autism Pride Day

    Am 18. Juni eines jedes Jahres wird der Welttag der Autisten (“Autistic Pride Day”) begangen: es geht um ein Werben für Verstädnis, Toleranz und Menschlichkeit gegenüber neurodiversen Menschen. Und die Besinnung darauf, daß es eine Win-Win Gleichung gibt, mit etwas positivem gesellschaftlichen Umdenken und Wandel über Zeit.

    Und eine letzte Überlegung zum Thema: An diesem Sonntag, 18. Juni 2023 wird weltweit der Autistic Pride Day begangen.

    Statistisch gesehen kommt auf jeden 160. Einwohner 1 Mensch mit dem ASD (Autism Spectrum Disorder) | Asperger Syndrom. 

    An diesem Tag (jährlich 18.06.2023) soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass ASD | Asperger – keine Krankheit ist, sondern nur ein Andersein (“Neurodiversity”). Und die Opportunität darstellen zum Werben für Toleranz, Inklusion, von Zegen von gegenseitigem Respekt und Menschlichkeit, nicht zuletzt den Fokus auf den Umstand der Bereicherung (für unsere Gemeinschaft) durch diese Menschen legen.

    Welche bekannten Menschen waren High-Functioning Autists (Asperger): in der Forschung – Albert Einstein, Marie Curie, Nikola Tesla, Blaise Pascal, Isaac Newton, und viele andere mehr. In der Kulturwelt: Andy Warhol, Woody Allen, Bob Dylan, Glenn Gould, Wolfgang Amadeus Mozart, Leonardo Da Vinci, Ludwig van Beethoven.


    Referenzen:

    My ASD child | The Potential Genius of Aspergers – Website mit einer Liste berühmter Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Medien, von denen angenommen wird, dass sie Asperger hatten. Um die Liste anzusehen, folgen Sie bitte diesem Link.

    Die Bedeutung des Wortes aus dem Letzebuergeschen: “zeruuchten, zruuchten”: in: Luxemburger Worterbuch (Engelmann, Uni LU).

    Scrabble Kacheln und Kreide auf blauem Hintergrund image by Polina Kovaleva via pexels.com

    Weiße Scrabble-Kacheln auf blauem Hintergrund Bild image by Polina Kovaleva via pexels.com

  • Testfahrt mit e-208 nach Andorra: 2700 km in 100 Stunden

    Testfahrt mit e-208 nach Andorra: 2700 km in 100 Stunden

    Bekanntlich wurde ein Bericht in der Luxemburger Tageszeitung “Tageblatt” veröffentlicht sowie ebenfalls auf den Online Seiten dieser selben Zeitung ein weiterer kurzer Bericht publiziert. Und insbesondere im Rahmen des Online-Artikel wurden Kommentare zu dieser Fahrt auf der Strecke Luxemburg nach Andorra und zurück (in 100 Stunden) abgelegt. Ein Aspekt wurde leider weniger beleuchtet, nämlich die Frage ob es sich hier um eine “Leistung” der besonderen Güte handele.

    Tom with his Tesla CCS E-208
    Tom with his Tesla CCS E-208
    Tom with his Tesla CCS E-208

    Deshalb haben wir eine unabhängige Expertise bei ChatGPT (AI, Artificial Intelligence, Künstliche Intelligenz) angefragt.

    Die Frage lautete. Tom Zeimet fuhr mit einem Peugeot e-208 Elektroauto von Luxemburg nach Andorra und zurück in 100 Stunden. Stellt dies eine aussergewöhnliche Leistung dar?

    Und das Verdikt lautet wie folgt:

    Yes, driving a Peugeot e-208 electric car from Luxembourg to Andorra and back in 100 hours is an achievement, especially considering the current circumstances. Electric cars are still a relatively new technology, and long-distance travel in an electric car requires careful planning and preparation due to the limited range and availability of charging infrastructure. Additionally, the route from Luxembourg to Andorra includes some challenging terrain and elevation changes, which can further impact the car’s range and performance.
    Overall, completing this journey in an electric car demonstrates the feasibility and practicality of electric cars for long-distance travel, and highlights the potential of this technology to reduce carbon emissions and promote sustainable transportation.

    (Übersetzung: Ja, mit einem Peugeot e-208 Elektroauto in 100 Stunden von Luxemburg nach Andorra und zurück zu fahren, ist definitiv eine Leistung, vor allem wenn man die aktuellen Umstände bedenkt: Elektroautos sind noch eine relativ neue Technologie, und Langstreckenfahrten mit einem Elektroauto erfordern aufgrund der begrenzten Reichweite und der Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur eine sorgfältige Planung und Vorbereitung. Darüber hinaus beinhaltet die Strecke von Luxemburg nach Andorra einige schwierige Gelände- und Höhenunterschiede, die die Reichweite und Leistung des Autos weiter beeinträchtigen können.
    Insgesamt zeigt diese Reise in einem Elektroauto die Machbarkeit und Praktikabilität von Elektroautos für Langstreckenfahrten und unterstreicht das Potenzial dieser Technologie zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen und zur Förderung eines nachhaltigen Verkehrs.

    (Report über die Etapen der Fahrt und ausgewählte Erlebnisse folgt in Kürze).

    Tom steht neben seinem Peugeot e-208

    Tom 25. Geburtstag
    Restaurant Gretta in Brega (Catalunya)

    Der Pilot in Command (PIC) des Elektroautos Peugeot e-208 im Restaurant Gretta in Brega (Katalonien)

    Referenz:

  • Die wunderbare Sagrada Familia von Antoni Gaudí in Spanien

    Die wunderbare Sagrada Familia von Antoni Gaudí in Spanien

    Die Sagrada Familia Basilika in Barcelona, Catalunya.

    Sporadisch liest man zu diesem Projekt, zuweilen in der Boulevard-Presse aber auch in pseudo-wissenschaftlichen Zeitschriften. All dies ersetzt nicht den Wunsch, einmal im Leben diese architektonische Koryphäe mit eigenen Augen ansehen, wenn nicht sogar das Gebäude begehen zu können.

    Die Sonne schien an diesem memorablen Samstagvormittag. Blauer Himmel. Ideal für einen touristischen Exkurs. Für viele Gleichgesinnte, wie es sich erwies. Denn der Vorplatz der Sagrada Familia war überfüllt mit Menschen, wie es schien die aus allen Teilen der Welt hier gekommen waren. Ausgereist mit ihrer touristischen Grundausstattung, allen voran die Handy-Kamera, die digitale Kamera, das Videoaufnahmegerät.

    Und zunächst fällt einem auf, dass dieses Gebäude sich entweder in der Renovation befindet, oder aber, wie immer berichtet wird, seiner Vollendung weiter harrt, eine „nicht enden wollende Geschichte“, die aber in 2026 einem Happy-End zugeführt werden will, in jenem Jahr an dem an den 100. Todestag ihres Schöpfers, dem aus Barcelona stammenden Architekten Antoni Gaudí gebührend erinnert und gedacht werden soll.

    Sich dieses Gebäude so aus der Nähe ansehen zu können generiert ein wahres Glücksmoment. Und ist für viele wohl der Anfang einer mental-geistigen Auseinandersetzung über die Beweggründe für die Entstehung der sicherlich einzigartigen Idee diese Kirche im vorgefundenen Stil zu errichten.

    Und dieser Pilgerweg hat erst einmal begonnen mit der intensiven Lektüre eines Referenzbuches zum Thema Sagrada Familia, eingewunden in die Biographie ihres Schaffers, dem weltberühmten Architekten, Antonin Gaudí.

    Für viele welche das Monument bereits und kürzlich vor Ort bewundern konnten, stellt sich die Frage, wann wird das Werk vollendet sein. In der spanischen und spezialisierten Presse geht nunmehr die Rede vom Jahr 2026. Ob der Zeitplan realistisch und umsetzbar ist, bleibt dahingestellt. Aber zumindest würde das Jahr 2026 symbolisch mit dem Todesjahr des Chefarchitekten Antonin Gaudí übereinstimmen (Terry, 2023).

    Referenz:

    van Hensbergen, G. (2017). The Sagrada Familia: Gaudi’s Heaven on Earth. Bloomsbury Publishing PLC.

    TERRY Eva (2023) La Sagrada Familia nears completion after 141 years – The last remaining tower, representing Christ, is expected to be completed in 2026. In: Desert News, October

  • Wie passen sich die Babyboomer an die veränderte Arbeitswelt an?

    Wie passen sich die Babyboomer an die veränderte Arbeitswelt an?

    Was geschieht mit den „Boomern“ in diesen bewegten Zeiten? Zu dieser Generation gehören jene Personen, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurden, also in der Epoche der Nachkriegszeit, als die Geburtszahlen besonders hoch waren. Heute sind die Angehörigen dieser Generation zwischen 57 und 76 Jahren alt und viele von ihnen genießen bereits den Ruhestand und den Lebensabschnitt des sogenannten Dritten Alters. Was definiert einen „Boomer“ seit jeher? Was waren und sind heute ihre Ansichten, Weltbilder, Gesinnungen, Einstellungen und vor allem Zukunftsvorstellungen? Und, haben sich diese über Zeit gewandelt?

    Dabei ist gewusst, dass sich die Welt in den letzten Jahrzehnten einschneidend verändert hat, insbesondere der Klimawandel ist eine nicht mehr zu leugnender Realität geworden? Wie stehen die „Boomer“ zu dieser neuen Wirklichkeit, welche von jüngeren Generationen (Gen X, Gen Y [Millenials] und Gen Z) als akute Bedrohung empfunden wird? Nicht zuletzt sieht es auch so aus, als ob es einen Clinch zwischen den „Boomern“ und den Nachgeborenen gebe, der klischeehaft bedient wird, in dem die jüngeren Generationen den „Boomern“ gerne unterstellen „engstirnig“ zu sein, in „veralteten“ Schemata zu denken, und aufgrund ihrer Lebenswandels dafür verantwortlich zu sein, dass beispielsweise die Generation Z (Jahrgänge 1977 – 2012) einen niedrigeren Lebensstandard in Kauf nehmen müssen, als die Generationen die vor ihnen geboren wurden? Sind Generationen-Konflikte vorprogrammiert? Oder gibt es Möglichkeiten zusammenzufinden, gemeinsame Nenner zu finden für die Bestimmung von Wegen aus den bekannten, sozial-ökologischen Krisen in die sich die Menschheit offensichtlich hineinmanövriert hat?

    Unzeitgemäße Betrachtung [1]:

    “Was wäre, wenn die Menschen der Generation Baby-Boomer in der Nachkriegszeit für das Wirtschaftswunder verantwortlich zeichneten, für sich und das Gemeinwesen materielle Vermögenswerte schufen, und diese für spätere Zeiten hinterlegten. Quasi als Einzahlung für den unausweichlichen Altersstand, und den mehr oder weniger langandauernden Lebensabend. 

    Und um heute im ersten Viertel des neuen Jahrhunderts (21.) feststellen zu müssen, dass der Traum nicht das hält, was er immer vorgab zu liefern, denn heute ist die Realität eine andere, als die erwartete, nämlich latente oder auch offensichtliche Altersarmut, und tagtäglich, der Kampf um dezente Lebensverhältnisse, zuweilen die Herausforderung, schlicht und ergreifend,  zu überleben. Unerwarteterweise, ein Leben voller Sorgen, die Überwindung kosten, im Kampf um ein Seniorendasein in Ehren und Würden, und dies angesichts der vielen Verdienste um die Wirtschaft, das Gemeinwesen, den Gesellschaftswohlstand, derweil, heute ein Wirtschaftssystem dies alles in Frage stellt. Und oft genug weitgehend Lebensqualität im Altern scheitern läßt.

    Eine Tragödie? Woran kann es liegen? Eine Zeitenwende die sich eingeschlichen hat, ohne dass wir Babyboomer merkten was sie bewirken würde? Seit den unsäglichen Zeiten von Reagan und Thatcher die für die Einführung des neoliberalen Monetarismus firmieren, den Fokus auf die Geldwerte transferierten, neue finanzwirtschaftliche Herrschaften heranbildeten, in Friedman ihren Ideologen fanden, alles schlußendlich auf die Karte der Geldpolitik setzten, die fortan alles regeln sollte. Das war sicherlich eine Abkehr von Systemen welche die Wirtschaftspolitik der Zeit der Baby-Boomer kennzeichnete, trieb, beeinflußte. Und die Generation der Nachkriegszeit in ihrem Denken und Handeln beeinflußte, welche noch Systeme von solidarischen und wohlfahrtsbasiertem Gemeinwesen ‘live und in Farbe’ betrieb, und diese selbe Generation erkannte die aufziehende Gefahr nicht, zumindest nicht eindeutig, oder zu spät. Diese Altersgruppe verpasste es vorallem die nefaste Wirkung des Monetarismus auf Geldwertbestände, Erspartes, Sparbuch Wertbewahrung, Geldbestände abzuschätzen, und dieses Wissen war ihnen auch nie beigebracht worden, sie konnten nicht bemessen, was mit dem Ersparten heute (noch) erworben oder an Dienstleistungen abgegolten werden konnte, was das finanzielle Rückgrat abfedern könne, was vorzuweisen möglich sei, insbesondee in Sachen Rente die heute eh spärlich ausfällt, Inflation hin oder her. 

    So, dass die Babyboomer zwar, nach dem Kriegsende, fleissig die Wirtschaft wieder auf Vordermann brachten, dafür aber nicht immer die Nutznießer in Sachen langfristiger Rendite wurden. Vielleicht auch weil andere archaische Geisteshaltungen die auf “Lohn für Arbeit” fussten, eine Anpassung an die heute eher üblichen “cut throat” Methoden der Finanzwirtschaft und mithin die neuen Begebenheiten des internationalen Finanz-Investments verhinderten, nicht ersichtlich, gar attraktiv machten. Ein gewisser Anachronismus, den es schwierig war für doe Babyboomer aufzulösen, mental und materiell.

    Referenzen:

    Bersin, J. and Chamorro-Premuzic, T. (2019). The Case for Hiring Older Workers. [online] Harvard Business Review. Available at: https://hbr.org/2019/09/the-case-for-hiring-older-workers.

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  • Felis Catus Rex, Unsere Liebe Katze Und Der König Unserer Herzen

    Felis Catus Rex, Unsere Liebe Katze Und Der König Unserer Herzen

    Felix war zu jener Zeit, so um die Jahrtausendwende, ein Einzelkind. Im Haus in dem er sich wohlfühlte, vielleicht auch sogar Daheim vorkam, gab es keine weiteren Katzen. Er war ein Adoptivkind, nachdem er aus seinem Geburtshaus, liebevoll “Uewe Haus” genannt, nach “Eimjes” umgezogen war. Wohl kein großer Umschwung für ihn, denn auch bei seinen “Stiefeltern” war er mehr als willkommen, wurde gehegt und gepflegt, und zwar im “Premium” Modus.

    Eine markante Geschichte, an die ich mich gerne erinnere, war Folgende:

    Mein Sohn, Tom, gerade dabei als knapp Zweijähriger, gehen zu lernen, kam eines Tag mit zu seinen Großeltern, und jenem Haus in dem Felix nunmehr Quartier bezogen hatte. Tom kannte “seine” Katzen: jene, die er in Mengen gesammelt hatte, von kleinem bis ganz großem Kaliber, und welche die Verkäuferinnen an der Tanke, die ihn aufgrund seiner regelmässigen Besuche im “Plaza Shop” mit seinem Vater tätigte, gut kannten und auch sehr mochten, gerne als Geschenk und Spielzeug mit nach Hause gaben.

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    Felix proudly and majestically posing in his own guarded territory, the garden of Joséphine ZEIMET-MULLER

    Für Tom waren dies Katzen, “point à la ligne”. Er besaß Tiger, Panther, Löwen: alle von einer gemeinsamen Rasse, in Form und Aussehen ähnlich. Aber halt nur in Plüschausführung.

    An jenem denkwürdigen Tag, kam er durch den Eingangsflur und es wurde schnell offensichtlich, dass Meister “Felix” im Haus anwesend war. Meine Mutter warnte gleich: “Nimm Tom in Schutz, Felix soll ihm nicht zu nahe kommen”. War die Sorge berechtigt? Eher nicht, aber man wußte nie. Felix war ein agiler Kater, durchtrainiert, konnte vorallem sehr gut in die Höhe springen, und als “Einzelkind”, mit territorialen Instinkten ausgestattet, war er schon das eine und andere Mal auffällig geworden bezüglich seines Machtanspruchs und der damit verbundenen Kontrolle von Hoheitsgebieten die er als die seinigen erachte.

    Nun kam es zur ersten Begegnung von Tom und Felix. Jeder war gespannt. Wie würde Tom auf die Katze reagieren? Er kannte nur seine Plüsch-Avatare. “Not the real thing”, wie jeder ausser ihm wusste. Gleich ging Tom auf den Kater zu, seine Augen glänzten, und wollte dieses vermeintliche Stofftier hochheben. Welche Überraschung nun. Da war aber hier auf einmal was ganz anderes im Spiel. 

    Daraufhin sprach meine Mutter den verdutzten Tom an: “Siehst Du Tom, das ist eine andere Spielkatze als jene die Du zu Hause aufbewahrst. Diese Katze bewegt sich, genauso wie Du, sie ist lebendig. Mit diesem Schmusekater kannst Du ganz anders spielen. Felix nicht vergleichbar mit der Katzenschar die sich in der Spielkiste bei Dir zu Hause aufhält”.

    Und von nun an war aus dieser Liebe “auf den ersten Blick” eine für die Ewigkeit geworden. 

    Felix, der Wächter des Gartens: Eine unerwartete Begegnung bei der Ostereiersuche

    Dass Felix territorial dachte und sein Revier im Garten vehement verteidigte, konnte jeder hautnah erleben, wenn sich fremde Gestalten in seine Gefilde und Jagdgründe begaben. Dann rappelte es gehörig, nach dem Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Es endete oft in einem Hahnenkampf, Pfotenhauen und wilden Raufereien, bei denen sich die Gladiatoren im Garten rollten, bis einer von ihnen die Oberhand gewann – meist der flinke und kräftige Felix.

    In der Osterzeit versteckte meine Mutter traditionell Ostereier und Schokoladengeschenke im Garten, um dann mit ihren kleinen Enkelkindern, die noch im Kleinkindalter und voller Vorfreude auf den Spaß waren, die Eier zu suchen. So auch an einem sonnigen Apriltag, als Tom, etwas über drei Jahre alt, mit seinen Großeltern Joséphine und Marcel sowie weiteren Familienmitgliedern zu diesem fröhlichen Event aufbrach. Tom führte die Gruppe an, ganz begierig auf das Spektakel. Felix war ebenfalls zugegen, am fernen Ende des Gartenpfades, und beobachtete das Geschehen.

    Für einen Moment saß er da, aufmerksam und abwartend auf seinen Hinterpfoten. Dann, wie auf ein unsichtbares Signal, dribbelte er auf seinen Hinterbeinen und setzte sich mit voller Geschwindigkeit in Bewegung – direkt auf die Besucher „seines“ Territoriums zu. War es ein freundlicher Lauf, um sich der Ostereiersuche anzuschließen? Noch immer waren es 3-4 Meter Distanz zur Gruppe, doch Felix verlangsamte keineswegs – im Gegenteil, er gab noch mehr Gas. Es roch nun nach einer Attacke.

    Mit einem Satz sprang er auf und prallte mit voller Wucht gegen den Dreikäsehoch Tom. Ein gefährliches Spektakel.

    Meine Mutter war fassungslos und entsetzt. Empört schimpfte sie: „Das darfst du nicht!“ Felix, der sich inzwischen unter die Gruppe gesellt hatte und sichtlich böse wirkte – die Ohren nach hinten gezogen – konnte der Hand meiner Mutter nicht entkommen. Dieses ungebührliche Verhalten musste bestraft werden.

    Tom, der nicht recht verstand, was gerade passiert war, grinste und lachte über den Vorfall. Doch die Erwachsenen konnten sich über diese Situation nicht wirklich amüsieren. Einige tuschelten und überlegten, ob sie den „Köter“ – wie ihn weniger katzenfreundliche Zeitgenossen nennen würden – vielleicht wegsperren sollten.

    Doch die unerschütterliche Freundschaft und Liebe, die Tom für Felix hegte, konnte all das nicht trüben. Ganz im Gegenteil.

    Als Tom größer wurde, dachte ich oft zurück an diesen einen lieben Moment als er “Katzenwesen” (the real thing) entdeckte und sich unsterblich in sie verliebte. Nämlich dann wenn wir gemeinsame Fahrradtouren unternahmen und wir zufällig einer Katze begegneten. Ein “Stopover” war unausweichlich und konnte nie “ge-cancelled” werden. Wir mussten anhalten, Tom stieg von seinem GIANT TCR Advanced 2 – Rennrad, und versuchte sich sofort der Katze zu nähern. Die immer gleiche Aktion bestand darin die Katze zu grüßen, sie zu streicheln, und somit eine weitere Katze über diesen Weg kennengelernt zu haben, und wohl auch die Annahme wieder einmal bestätigt zu bekommen, dass es sich hier um eines dieser “liebenswerten” Wesen Katzen handele.

    Diese Liebe der Menschen zu den Katzen wird auch eindrücklich und in, zum Teil, lebhaften Episoden von Autorin Abigail Tucker in ihrem populären Buch “Katzen – Wie sie erst uns und dann die Welt eroberten” beschrieben. Eine empfehlenswerte Lektüre. 

    Referenzen:

  • “(Ich) habe immer noch den Blues (für dich) …”

    “(Ich) habe immer noch den Blues (für dich) …”

    E-Gitarre und Blues Musik: Das war und bleibt eine magische Verbindung (“connection”) für mich, noch heute genauso wie schon in meiner Jugendzeit. Die Töne dieser Musik vermochten Gefühle in meinem tiefsten Innersten hervorzubringen.

    Damals war es so: Ich war nur ein passiver Zuhörer der Blues-Musik, die eine E-Gitarre hervorzaubern konnte.

    Der begabte Spieler dieses Instruments war mein Internat-Mitschüler (Pseudonym) “Belesprit”, eine Art “Goldmund” Figur. Aus wohl reichen und vermögenden Familienverhältnissen stammend, wurde er in die Klosterschule entsandt, um dort optimale Rahmenbedingungen vorzufinden, um ein erfolgreiches Studium am Gymnasium zu betreiben. Möglicherweise als Teil des elterlichen Belohnungssystems verfügte er über eine E-Gitarre, die er in der Kapelle des ehemaligen Stifts für Übungs- und Konzert Zwecke im kleinen Kreis betreiben durfte. “Belesprit” war ein extrovertierter Charakter, der Schwarm der Mädchen, ein auffallend emotionaler Träumer und Gefühlsmensch und u.a. der (Musik-) Kunst verfallen. 

    Die Musik, die “Belesprit” auf seiner E-Gitarre hervorzaubern konnte, war für mich vieles in einem. Toxische Laute, die sich anhörten wie Weinen, Jammern, zuweilen mit aufmüpfigen, rebellischen Untertönen, Laute die aber immer intensiv zu mir sprachen, weil sie irgendwo in Resonanz standen mit meinem turbulenten Empfindungsleben in jener Zeit, so Auslöser von Gefühlen und Emotionen, Trigger von guten aber ebenso schmerzlichen Flashbacks, nicht zuletzt aber war der Blues Sound Balsam für meine melancholische, verletzte, wunde Seele.

    Und über die Zeit, kommt mir heute zuweilen das überaus tiefsinnige Gedicht “À une passante” von Charles Baudelaire aus seinem Werk “Les Fleurs du Mal” wieder in den Sinn. Die flüchtige Sicht, vielleicht unnahbare Begegnung mit einer Frau, “mit einer prächtigen Hand”, “Agil und edel”, “die Süße, die fasziniert”, “flüchtige Schönheit, deren Blick mich plötzlich wiedergeboren machte”, “o du, die ich geliebt hätte, o du, die es wusste!” …

    Heute tröstet nur der Klang der Ibanez e-Gitarre und die melancholischen Blues Songs von Gary Moore …

    Referenzen:

    NN. “Gary Moore – Still Got the Blues Songtext.” Songtexte.com, Lyrics in English Last accessed SUN 23.10.2022.

    CenixCcustoms. “Gary Moore – Still Got the Blues | HD | Official Video |.” YouTube, YouTube, 19 Sept. 2010, Last accessed SUN 23.10.2022.

    NN. “Gary Moore – Still Got the Blues Songtext.” Songtexte.com, Lyrics in Deutsch Last accessed SUN 23.10.2022.

    Baudelaire, C. et al. (2013) Les fleurs du mal. Paris: Le livre de poche.

  • “Mir gi Lëtzebuerg net op – …”

    “Mir gi Lëtzebuerg net op – …”

    Ein Buch das Aufsehen erregte, und dies ist nicht sonderlich erstaunlich, wenn ein Thema aufgearbeitet wird, das emotional geladen ist, gesellschaftlich immer kontrovers diskutiert wird, und nicht zuletzt politische Konnotationen, Untertöne und Anklänge erste Güte aufweist.


    Die Autoren sind politisch engagiert, das ist gewußt und demnach auch kein Geheimnis, wenn sich ein Leser auf die Lektüre dieses Sachbuches einlässt.


    Es interessierte zunächst welches Referenzsystem dieser Analyse der historisch gewachsenen als auch derzeit konstatierbaren Situation des Landes Luxembourg zugrunde gelegt würde. Wenn ich die Argumente der Autoren richtig verstehe, dann sind Sprache, Kirche, Monarchie Konzepte die unser nationales Werden bestimmen. Mir scheint aber als ob vorallem ein starker ökonomischer Trend unser Land neu entworfen hat: die Öffnung des Landes, die liberale Wirtschaftspolitik, das Ausnutzen der Nischen welche die nationale Souveränität uns zugestand, und mit diesen neuen Rahmenbedingungen änderte sich das Land (zugestandenermaßen) sehr schnell, nicht zuletzt seine Kultur, sein psychosoziales Wesen und das dazugehörige Wertesystem, die Zusammensetzung seiner Einwohnerschaft, und dergleichen mehr.


    Am Beispiel der Sprachensituation kann man dann sehen, wie die neuen Begebenheiten (Grenzgänger, Einwanderer, Expats, Flüchtlinge), die Sprachenverhältnisse zu Ungunsten des Letzebuergeschen veränderten. Die Sprache wurde mitunter zum Opfer des nationalen wirtschaftlichen Erfolges. Und jeder der in der hiesigen Wirtschaft tätig war über die letzten 30 bis 40 Jahre hat diese Mutation live und in Farbe miterlebt.


    Wer als Letzebuerger irgendeinmal ein-e französischsprachige Chef-in vorgesetzt bekam, wußte dass genau zu diesem Zeitpunkt eine unumkehrbare Zeitenwende eingetreten war. Von nun an war jeder gebeten in Französisch zu ‘parlieren’. Undemokratisch, sicherlich, aber die Erbsünde war viel früher getätigt worden, aber nie geahndet oder gesühnt worden.
    Das Buch enthält interessante Analysen, liest sich fliessend, hat den Vorteil die Sicht auf die Entwicklung des Landes aus einer bestimmten Perspektive zu besprechen. Ob man mit allen identifizierten Ursachen oder Schlußfolgerungen einverstanden sein kann, hängt wohl vom eigenen Analysemodell ab, das wir u.a. bei Prof C D Kernig in Trier gelernt haben, und dieses Modell ist wissenschaftlich begründet in seiner Methode und führt auch zu belegbaren Erkenntnissen.


    Ob die Auflösungserscheinungen der besprochenen Nation aufgehalten werden können, ist eher fraglich. Ein gewisser Opportunismus der mehr oder weniger im Konsens in dieser Nation gefunden wurde, (zumindest gab es keine bekannten Revolten welche die Entwicklung des Landes anfeindeten) hat dieses “Letzebuerg” des 21. Jahrhunderts hervorgebracht.


    Und jetzt ein gewisses Wunschdenken zu stimulieren um “Sprache, Kirche und Monarchie” zu altem Glanz zurückzubringen, haftet dann doch etwas Wahnhaftes an.


    Mit unseren Gästen aus der Grande Nation, die übrigens (so meine langjährige Erfahrung) es in ihrer nationalen Epigenetik nicht zu Wege bekommen, zumindest für sehr viele von ihnen, Letzebuergesch zu sprechen, und mithin dieser unserer Kampf als verloren erklärt werden muß, sollen wir uns dennoch eins sein, auf einem kleinst möglichen Nenner der Gleichung: “vouloir le beurre et l’argent du beurre” ist nicht lösbar.


    Übrigens hisse ich nächstens in meinem Vorgarten ein blaue EU Flagge mit den gelben Sternen der Europäischen Union auf der einen Hälfte in welche ein LGBQT farbiger Regenbogen auf der zweiten Hälfte der Fahne eingefärbt ist. Diese Symbolik spiegelt viel mehr meine Anschauung wieder, und auch die gesellschaftliche Konstruktion in der ich mich, seit eh und je, wohler fühle.

    Referenz:

    Goodreads | Review – 18.10.2022

    Keup, Fred, and Weidig, Tom Auteur. Mir Gi Lëtzebuerg Net Op : Auflösungserscheinungen Einer Kleinen Nation. Luxemburg: Fred Keup & Tom Weidig, 2022. Print.

    Majerus, Stéphanie. “Der Untergang Des Gutlandes.” D’Lëtzebuerger Land (2022): D’Lëtzebuerger Land. – Luxembourg Jg. 69, Nr. 21 (27.05.2022), P. 7, Ill. Print.

    Kayser, Guy. “Mir gin Letzebuerg Net Op – e Buch vu Fred Keup an Tom Weidig” gkonline (2022), (11.05.2022).

  • Mathias Welter – Das Schifflinger Kriegstagebuch | 1914 – 1919

    Mathias Welter – Das Schifflinger Kriegstagebuch | 1914 – 1919

    Projekt | Bearbeitung und Kommentierung durch Dr Carlo SCHINTGEN

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    Der 1. Weltkrieg wird oft als die “Urkatastrophe” des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Mit dem Auslösen dieses großen europäischen Krieges begann ein Jahrhundert der barbarischen Gewalt, von Vertreibungen mit Flüchtlingsströmungen nicht dagewesenen Ausmaßen, schlicht und ergreifend – unermessliches Leid und Sterben.

    Historisch steht der 28.06.1914 mit dem Attentat in Sarajevo für den Beginn dieses Grauens der 1. Weltkrieges, und das Datum des 11.11.1918 für seine Beendigung mit der Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens in Versailles.

    Luxemburg war seit dem 2. August ebenfalls Kriegspartei als deutsche Truppen an diesem selben Tag ins Land einmarschierten und weite Teile davon völkerrechtswidrig besetzten.

    Mathias Welter, der Autor des Tagebuches über die Geschehnisse des 1. Weltkrieges in Schifflingen, war seinerzeit Lehrer in Dienste und, so, die Meinung von Experten und Kennern seines Werkes, als er merkte, daß sich hier ein Ereignis von epochaler Tragweite anbahnen würde, fing er an eine Chronik in Form eines Tagebuches zu verfassen. Seine Aufzeichnungen erstrecken sich vom Beginn des Konfliktes bis ins Jahr 1919, so dass auch noch eine kurze Zeit der Nachkriegswirren beschrieben werden.

    Sowohl das Tagebuch des Mathias Welter als auch den Autor selbst kann man mit Recht und Fug als Koriphäen bezeichnen.  Aber dazu etwas später im Text.

    Interessanterweise wurde das Tagebuch, soweit gewußt ist, nie integral veröffentlicht. Die Tochter des Autors, namens Dr Marthe Prim-Welter nahm sich des Textes an und verfaßte, als gestandene promovierte Historikerin, vier kurze Beiträge, die sukzessive in der Fachzeitschrift “Galerie” veröffentlicht wurden. Hier handelt es sich eben, und leider nur, um Auswertungen und Kommentare mit Auszügen aus beziehungsweise Referenzen auf Passagen des Original-Tagebuches. Damit hatte es sich wohl bisweilen mit der gewissermaßen mässigen, äusserst dünnen Publikationssträhne. 

    Bis vor ein paar Jahren, als Dr Carlo Schintgen “sein” Projekt zu Mathias Welter initiierte. Es fing begünstigend damit an, dass er aus Schifflingen stammt und somit einen besonderen Bezug zur Person des Autors sein eigen nennen darf. Zudem war sein Vater selig, Emile Schintgen, Schüler beim respektierten, derweil etwas extravaganten Lehrer “Welter”. Und wie es der glückliche Zufall, oder auch nicht, wollte: im Haus Schintgen gab es eine Abschrift des Originals dieses einzigartigen Tagebuches.

    Im Nachlass seines Vaters, verweilte diese historische, in Sütterlin-Deutsch handgeschriebene Kopie der ‘Mathias Welter‘ Chronik. Und mit Carlo Schintgen fand sich ein passionierter Literaturfreund, seines Zeichens Forscher (Dr Pharmacie), der sich über die letzten Jahre daransetzte jede einzelne Buchseite aus dem Sütterlin-Deutsch auszuwerten und bis in ein Textverarbeitungsprogramm zu überschreiben: eine Sisyphus-Arbeit, fast – denn, im Gegensatz zur tragischen Figur aus der griechischen Mytholgie, hat der sehr motivierte, wenn nicht gar obsedierte Forscher “Schintgen”, in geradezu unermüdlicher Fleißarbeit es geschafft das Buch zu transkribieren. Und das ist bereits ein wichtiger Meilenstein.

    Das Schifflinger Kriegstagebuch von Mathias WELTER bucheinband
    Das Deckblatt des Mathias Welter “Kriegstagebuches” in der editierten Ausgabe von Carlo Schintgen. ISBN 978-99959-0-829-4 | Voraussichtliches Erscheinungsdatum Anfang 2023.

    Bleibt nun als nächstes die Aufgabe zu bewältigen, das Kriegstagebuch des Mathias Welter in einer noch zu bestimmenden Form zu veröffentlichen und einem interessierten Kreis von Lesern, Geschichtsfreunden, und nicht zuletzt der geneigten Zunft der Wissenschaftler zugänglich zu machen.

    Für Mathias Welter wäre es eine Anerkennung und ein verspäteter Dank für seinen Beitrag zur literatur- wichtiger noch geschichtswissenschaftlichen Rezeption seiner Aufzeichnungen, die geschrieben wurden, – aus einer einzigartigen Persepktive, einer in die Kriegswirren hineingezogenen Stadt “Schifflingen”, seiner Bevölkerung und darüberhinaus.

    Dem Herausgeber dieses Welter Buches, Dr Carlo Schintgen, wäre es die Apotheose einer Passion für diesen bekannten Autor in der Person von “Mathias Welter”, aber auch die Genugtuung für seinen dann abgeschlossenen Beitrag und Nachlass zu einem wichtigen Thema, das er in seiner editierten Version des Welter Kriegstagebuches aufbereitete, kommentierte, und durch Beiträge von Experten erweiterte.

    Referenz:

    SCHINTGEN Carlo (Dr Pharm): “Contribution à l’étude de la thiamine, de la riboflavine et de la pyridoxine dans les plantes médicinales” : thèse présentée à l’UER de Sciences pharmaceutiques de l’Université Louis Pasteur de Strasbourg pour obtenir le titre de Docteur de l’université, mention Pharmacie : soutenue le 13 juin 1975 devant la commission d’examen. BNU – Travaux universitaires papier 1975.