Author: Marc N Zeimet

  • Rezension – Karin BOJS “Meine europäische Familie”

    Rezension – Karin BOJS “Meine europäische Familie”

    Da entwickelt sich ein neues Betätigungsfeld auf dem sich zum einen Wissenschaftler (Biologen, Genetiker, Archäologen und Historiker) tummeln und dann ergänzt werde duch all jene sogenannten Familienforscher (Hobby, Amateur) die Stammbäume anlegen, und heuer eben zusätzlich einen Gentest anfertigen lassen um über so gewonnene genetische Daten zu sehen was diese Analyse ergibt.

    Die Autorin hat sich selbst, bei einer Grenzsituation die sie als die Beerdigung ihrer Mutter ausmacht,  die Frage gestellt “wo komme ich eigentlich her”, “wer waren meine Vorfahren. Sie kommt als Wissenschaftsjournalistin gut gerüstet und erfahren daher um diese Entdeckungsreise zu unternehmen und virtuell den Leser sie begleiten zu lassen. Und die Forschungsfrage ist spannend, weil sie bisweilen noch nicht abschließend beantwortet wurde. Sind die Erkenntnisse der traditionellen Archäologie in Stein gemeisselt oder zeigt die Genetik neue Erklärungsmuster für die Siedlungsgeschichte, die Vermischung von Völkern, insbesondere Lebensstile von Jäger und Bauern. 

    Der vorgelegte Text spiegelt den aktuellen Forschungsstand wieder , erscheint sorgfältig recherchiert, wird ausgiebig reflektiert und diskutiert, und dem Leser ergeben erschließen sich immer mehr Elemente die das Puzzle lösen helfen, wenn auch das komplette Bild noch lange unklar bleiben und insbesondere die Genetik bisweilen geglaubte Erkenntnisse invalidieren könnte. 

    In dem von Karin Bojs vorgelegten Buch geht es also darum über die bekannte oder vermeintliche Siedlungsgeschichte der Völker (in Europa und den Nahen Osten) über einen Zeitraum von 50.000 Jahren zu verstehen wer mit wem verwandt ist. Es begann mit Jägern und Sammlern, dann kamen Bauern und Sesshafte. Wie sich über Zeit Jäger und Bauern treffen und zum Teil vermischen soll die Genetik entschlüsseln helfen. 

    Die Autorin nimmt den interessierten Leser-in mit auf eine Reise, bei der es darum geht zu belegen dass die Erkenntnisse der Genetik die archäologischen Funde quer durch Europa zu validieren vermögen. Karin Bojs hat die Strapazen auf sich genommen viele für diese Forschungsfrage relevanten Orte zu besuchen, hat mit ausgewählten Experten, Spezialisten und anerkannten Forschern gesprochen, sie interviewt, und als selbst persönlich Interessierte aber auch in Kenntnis der wissenschaftlichen evidenzbasierten Literatur zum Thema gibt sie immer wieder ihre eigenen Einschätzungen zum Besten, und dies auffallend ohne jegliche Polemik. 

    So ist dieses Buch ein Sachbuch immer wieder, aber im Stil angenehm eine Erzählung, nicht zuletzt ein Reisebericht der viele archäologisch bedeutsame Orte in Europa abdeckt (erfreulicherweise wird auch der Homo Sapiens Mann vom Loschbour LU erwähnt), inklusive den Nahen Osten, aber insbesondere Skandinavien. 

    Wo kommen wir her, wie sind wir miteinander verwandt, wer hat wen verdrängt, und dies aus welchen und wie gearteten Gründen? Es geht auch um soziokulturelle Faktoren die in dieser Gleichung zum Zuge kamen. Technologien, Zugang zu Ressourcen, Erfindungen die einen Vorteil generierten, Machtgebilde und Strukturen, die Frage welche Völker oder Sippen unter einem Matriarchat und Patriarchat lebten – mit welchen Folgen für Fortbestehen, wie es zu Klassenbildung kam, welche dann ungleiche hierarchische Gesellschaften hervorbrachten.

    Es ist gewusst dass die besprochene Frage ideologisch durch Theorien genährt werden kann; die Besprechung in diesem Buch invalidiert bestimmte Ansichten, insbesondere jene die Rassen bewerten. 

    Der Titel des Buches “Meine europäische Familie” scheint diese Idee von genetischer Vermischung und die Europäer als Mischlinge zu privilegieren. Auch weil die Forschung anhand der Gentests und ihren Revelationen, nicht zuletzt im Abgleich mit den bekannten Wanderungsbewegungen in Europa diese Positionen mit Daten und Fakten belegen kann.

    Für den Familienforscher der sich Hilfe und Beratung erwartet, ist dieses Buch eine willkommene und ergiebige Ressource. Am Ende des Buch gibt es noch einmal einen ansehnlichen Teil mit Referenzen im Rahmen einer ausführlichen wissenschaftlichen Bibliographie, zusätzlich praktische Informationen zu Gentests beispielsweise, die von Nutzen sein könnten und evidenzbasiert oder aus Erfahrungsdaten herauskristallisiert wurden. 

    Auffallend ist der Umstand das es kein Indexregister  (Sach-, Orte-, Personen-, Stichwort-) gibt. Das ist ein bisschen bedauerlich, aber tut dem Buch an sich keinen Abbruch. Auch gibt es keine Tabellen oder Grafiken die zuweilen synoptisch vermittelte Informationen hätten zugänglich machen können.

    Man hat den Eindruck dass hier ein ordentliches Sachbuch produziert wurde, mit Inhalt, minutiös zusammengetragen aus der wissenschaftlichen Literatur, abgeglichen mit den Meinungen von Experten und Spezialisten aus den verschiedenen Disziplinen welche die Familienforschung vorantreiben, aber dass das besondere Flair der Publikation da herrührt dass (Entdeckungs-) Reiseberichte die Materie auflockern und bereichern. Und die Autorin versteht ihr Metier: die Erzählung ist locker, zuweilen mit einem Quäntchen Witz versetzt. Und es ist spannend bis zum Ende: denn der interessierte Leser möchte herausfinden was denn nun (heute) mit den Methoden und Mitteln der Wissenschaft, insbesondere der DNA-Test Genetik bewiesen und belegt werden kann.

    Persönlich wird mir dieses Buch mein Leitfaden sein für weitere Schritte in der Evaluierung von Gentesten, ein Kompass für bewährte Praktiken, das sicherlich hilft das Ziel einfacher, ohne unnötige Umwege, zu finden. 

    Dieses Buch musste jemand einmal schreiben und Karin Bojs hat hier diesbezüglich eine hervorragende Arbeit vorgelegt, die sie mit viel Zeit, Fleiß, fundiertem Wissen aber, und das spürt man auf jeder Seite, vorallem mit Leidenschaft und spürbarer Begeisterung für das Thema brilliant bewältigt hat.

    Ein empfehlenswertes Buch zur Einführung in das Thema, und noch mehr. 

    PS: Nicht überraschend erscheint heute am 03. Oktober 2022 die Vergabe des Nobelpreises für Medizin an den schwedischen Evolutionsforscher und Paläogenetiker Dr Svante Pääbo. Autorin Karin Bojs widmet den Arbeiten von Prof Svante Pääbo der derzeit am Max-Planck-Institut in Leipzig arbeitet und seinen Erkentnissen einen breiten Raum in ihrem wegweisenden Buch “Meine europäische Familie: Die ersten 54000 Jahre” und diese prominente Vorgehensweise gibt auch ihr heute Recht.

    Goodreads | “Meine europäische Familie: Die ersten 54000 Jahre” Rezension – Marc ZEIMET

    Reference:

    BOJS Karin Meine europäische Familie Warum wir alle miteinander verwandt sind. 2021. 2. unveränderte Auflage. Aus dem Schwedischen von Maike Barth und Inge Wehrmann. 431 S., Bibliogr. u. Reg., 14,5 x 21,5 cm, Broschur. wbg Paperback, Darmstadt. ISBN 978-3-534-27329-4.

  • Tumulus “bei der Tonn” – römischer Grabhügel

    Tumulus “bei der Tonn” – römischer Grabhügel

    Der Grabhügel liegt seitlich des Verlaufs der römischen Fernstraße von Metz nach Trier im Ort genannt “Auf Pesch”. Auch wenn der Ort heute mit Eichenbäumen bewachsen ist, die ins Alter gekommen sind und tapfer dem Klimawandel zu widerstehen versuchen, und auch sonst kein Hinweisschild auf diesen Zeugen römische Kultur vor Ort erinnert, so kann dieser Umstand doch die geschichtliche Tatsache nicht in Frage stellen, dass hier, an einem ruhigen Ort in idyllischer Umgebung errichtet, wohl ein wohlhabender oder einflussreicher römischer Bürger seine letzte Ruhestätte erhielt, dabei augenfällig und markant, und so wie es wohl gewollt war: unübersehbar.

    Veraudunus-Inciona-Platte
    Dies ist die berühmte Veraudunus-Inciona-Platte, die auf dem Berg Widdenberg “Veraudunus” gefunden wurde

    Bibliographie:

    FRIEDRICH Evy – Der Flaxweiler Tumulus 1979 Revue – Luxembourg Jg 34 (1979), Nr 25, p. 30-31, fig

    Letztes Update | FRI 19.08.2022 15:25 o'clock
  • Mein Vater Marcel Zeimet – ein Mann mit Löwenherz, der Werte, Überzeugungen und Prinzipien vertritt

    Mein Vater Marcel Zeimet – ein Mann mit Löwenherz, der Werte, Überzeugungen und Prinzipien vertritt

    Eine Zeit, die meinen Vater tiefgreifend geprägt hat und für sein Leben lang markierte: die Jahre des 2. Weltkrieges.

    Er war erst 16 Jahre alt als der Krieg begann, mit 18 wurde er zum Reichsarbeitsdienst (RAD) nach Österreich (Salzburg und Reitdorf | St Johann im Pongau) befehligt. Anschließend nach einem Heimataufenthalt der Stellungsbefehl zum Kriegsdienst auf dem Balkan. 

    Dann kam die schwere, unsichere, lebensbedrohliche, mit kontinuierlicher Angst besessene Zeit der Kriegsdienstverweigerung, Fahnenflucht, Desertion und das Leben im Untergrund während dem verbleibenden Endabschnitt des 2. Weltkrieges. 

    Was er zuweilen uns erzählte, war eher ein Versuch, mit diesen dramatischen Ereignissen zurechtzukommen, als eine mündliche Chronik davon zu erstellen. 

    Nachdem er einen Stellungsbefehl bekommen hatte, und zu einem vorgegebenen Tag sich nach Roodt-Syre an den Bahnhof begeben sollte um dort einen Wehrmacht Transportzug nach Trier zu besteigen, wurde insgeheim ein Netzwerk von Helfern, Schleusern (“Passeurs”) und Schläfern der Resistenz aktiviert und Instruktionen zur Desertion und dem Ort des Unterschlupfes durchgestochen. 

    Wer etwas vom genauen Ort des Verstecks wusste, wurde mir nie klar, wahrscheinlich nur sehr wenige, allerhöchstens der engste Familienkreis; auszugehen ist von Vater und Mutter, darüber hinaus wäre es bereits brenzlig geworden. 

    Mein Vater war knapp 19 Jahre als er einberufen wurde: er erzählte mir, dass er mit einem Infanteriebataillon nach Serbien zum Kampf gegen die Partisanen gebracht werden sollte; für ihn und in seiner Sicht der Dinge “ein sicheres Todesurteil”, denn auf dem Balkan wütete ein erbitterter, blutrünstiger und erbarmungsloser Stellungskrieg. 

    So, dass es nur eine Möglichkeit gab, sein Leben (versuchen) zu retten: die Fahnenflucht. Am Tag an dem die Abfahrt mit dem Militärzug vorgesehen war, ging mein Vater seinem ausgetüftelten und mit dem Unterstützerkreis abgesprochenen Plan nach, der darin bestand Spione und Verräter (mehr als willige Informanten des lokal ansässigen Ortsgruppenleiters gab es dem Vernehmen nach viele), auf eine falsche Fährte zu leiten: er verließ das Dorf über die sogenannte Scheißgaass in Richtung “Beyren”, und seine Vermutung daß Aufpasser vermelden würden er sei wohl zu seinen Angehörigen nach Beyren in Versteck geflohen, ging dann auch auf. Denn nachdem er nicht zum Stellungsbefehl in Roodt-Syre erschienen war, wurde zeitnah in Beyren eine Gestapo geleitete Suchaktion gestartet. 

    Der Fahnenflüchtige war aber dort nicht anzutreffen. Anstatt über den “Kréiebierg” nach Beyren zu marschieren, war er über “Schack” hoch über das Plateau des Widdenberg bis über die “Gro’e Knuppen” in Banzelt marschiert, dann immer weiter durch Wälder, in Olingen den “Nurris”, in Richtung Berg, Wecker-Grund bis zum Schorenshaff. Dort warteten Beschützer, um ihn mit nach Manternach zu bringen und weitere Anweisungen über die Lokalitäten zu geben. Einer von Ihnen war “Dem” (Dominique Fohl) und auch der Familienname “Finsterwald” (Name eines engagierten Helfers) wurde immer wieder von ihm mit großem Dank und Respekt angeführt. Unversehrt erreichte er das stillgelegte Produktionsareal der Firma “Lamort”. Hier wurde in früherer Zeit Papier hergestellt, und neben dem Schloss, auf dem der Verwalter Jules Lefeber mit seiner Familie Unterkunft bezogen hatte, gab es eine ganze Reihe von Gebäuden auf diesem Gelände an der Syr. Die meisten davon standen leer. Eines dieser unscheinbaren Hangare war auserkoren worden, Kriegsdienstverweigerer und Resistenzler zu beherbergen. 

    Marcel Zeimet stieß zu dieser Gruppe von jungen Menschen aus der Region, allesamt Verweigerer des Dienstes an der Waffe als Zwangsrekrutierter der verhassten Wehrmacht und sollte viele Monate hier im Untergrund um sein Leben bangen. Denn Verrat, oder Razzien durch die Nazi-Schergen hätte die Verhaftung, sehr wahrscheinlich standrechtliche Erschießung bedeutet.

    Als nach dem Krieg versucht wurde aktiv aufrichtige Menschen, stille Helden (ähnlich “Gerechte unter den Völkern”) zu identifizieren, die unter großer Gefahr für ihr eigenes Leben und das ihrer Familie, fahnenflüchtigen Kriegsdienstverweigern geholfen hatten, kamen im Fall meines Vaters folgende Namen auf die Liste:

    Die Bewahrer des Lichtes – in einer Zeit der Dunkelheit. Mitglieder des Pantheons der Gerechten.

    Jules Lefeber und seine Familie

    Dem‘ (Dominique) FOHL, gebürtig aus Grevenmacherberg, landläufig besser bekannt als dem Ort namens “Potaschbierg”, lebte dort während der Zeit des 2. Weltkrieges – wohnte dann aber später bis zu seinem Tode in Munschecker. “Dem” Fohl war ein erfahrener und erfolgreicher Schleuser und in diesem Sinne ein couragierter Fluchthelfer, ein sogenannter “Passeur”, der in diesem, seinem lebensgefährlichen Engagement vielen Wehrdienst-Verweigern aus der Region verhalf, sich als sogenannte “Zwangsrekrutierte” des Nazi-Regimes, und spezifischer der Wehrmacht, dem Dienst an der Waffe zu entziehen.

    Jos FINSTERWALD, gebürtig aus Kayl, während des 2. Weltkrieges wohnhaft in der “Héicht” in Flaxweiler.

    Familie Glesener auf Beelener Haff (Junglinster)

    Eine erste Erhebung war Ende der 60er Jahre vorgenommen worden, leider verschwand die “Fiche” mit den Erklärungen meines Vaters. 

    PS: Es wird versucht, die Liste weiter zu vervollständigen.

    Erklärung zur Artikel-Illustration | Die Abbildung auf der Briefmarke, die durch die POST Luxembourg Customization Services herausgegeben wurde, zeigt Marcel Zeimet während des Zweiten Weltkriegs in Manternach in der Nähe des Schlass Lamort als Teil einer Gruppe von Untergrundkämpfern, allesamt Deserteure der Deutschen Wehrmacht, die sich in dieser Gegend versteckten (Manternach Jules Lefeber, Beelenerhaff Glesener – Junglinster).

    Groupe de Réfractaires Château Lamort Manternach – 1944

    In Erinnerung an meinen Vater – Ein Leben im Einklang mit der Natur

    Heute, am Geburtstag meines geliebten Vaters, der vor fast 15 Jahren von uns ging, denke ich besonders an diese bedeutende Person in meinem Leben: Vater, Fürsorger, Freund, Herzensmensch, Vorbild, Lebenslehrer, Inspiration – und vor allem mein Held.

    In Gedanken kehre ich zurück zu den vielen Stunden, die wir gemeinsam in der Natur verbrachten, und es gibt so vieles, was ich darüber erzählen möchte. Ein ganz besonderes Erlebnis aus dieser Zeit ist mir heute besonders in Erinnerung, ein Nachmittag im Wald von “Haart”, nahe dem Ort genannt “An den Lochewisen” .

    Es war eine jener Tage, an denen meine Mutter mit meinen jüngeren Geschwistern unterwegs war, und ich die Gelegenheit ergriff, mit meinem Vater zur Arbeit zu gehen. Er bereitete eine Waldfläche für die Neuanpflanzung von Bäumen vor. Dazu musste gerodet werden, und das Holz, das nicht wiederverwertet werden konnte, wurde einfach verbrannt. Die Feuer, die mein Vater entfachte, waren gewaltig. Er sagte immer: „Jetzt entfachen wir die Hölle“, und in der Tat, die Flammen loderten bis zum Himmel, und die Hitze war fast unerträglich. Es war so heiß, dass man sich nur mit etwas Abstand an das Feuer nähern konnte, um überhaupt noch normal atmen zu können.

    In der Nähe der Feuerarbeit lag das berühmte Moor “Klackenmuer1”. Früher dachte ich, diese Moore wären vulkanischen Ursprungs, bis mir mein Sohn Tom erklärte, wie sie tatsächlich entstehen. Moore entstehen in feuchten Gebieten durch austretendes Quellwasser [siehe Einzugsgebiet des Widdenberg] oder gespeist durch Oberflächenwasser, wo abgestorbenes Pflanzenmaterial unter Sauerstoffmangel zu Torf wird. Ich erinnere mich, wie mein Vater mir erzählte, dass die Moore Menschen „verschlucken“ können, wenn man nicht vorsichtig ist. Er zeigte mir, wie weit sich Wildschweine in das Moor wagten, wenn sie sich suhlten – und man konnte ihre Suhlstellen gut erkennen. Das war eine Lektion in Vorsicht und Respekt gegenüber der Natur.

    Ich erinnere mich besonders an jene Momente, wenn mein Vater vor einer imposanten Eiche oder Buche stehen blieb. Er wusste genau, wo diese beeindruckenden Baumriesen zu finden waren – wahre Koryphäen des Waldes, die mit ihrer erhabenen Erscheinung wie Meilensteine auf unseren Spaziergängen wirkten. Diese Wälder waren ihm ans Herz gewachsen, sie waren Teil seines Lebens.

    Oft hielt er an einem dieser ehrwürdigen Bäume inne, sah mich an und sagte: “Siehst du, was für ein prachtvoller Baum das ist?” Dann breitete er seine Arme aus, um mir zu zeigen, wie mächtig sein Stamm war. Mit einer Hand lehnte er sich an das raue Holz, mit der anderen hielt er seinen traditionellen Béret fest, während sein Blick ehrfürchtig nach oben wanderte. “Was für eine Höhe, was für eine beeindruckende Gestalt!” Und dann, fast in einem feierlichen Ton, fügte er hinzu: “Das sind die Göttergestalten des Waldes. Ich hoffe, der Förster wird diesem Baum noch eine lange Zeit bewahren.”

    Sorgfältig ging er einmal um den Stamm herum, prüfte, ob irgendwo das schicksalhafte Zeichen des Fällens eingeritzt war – das Todesurteil für ein so majestätisches Lebewesen. Für meinen Vater war ein Baum in der Natur stets wertvoller als jedes noch so kunstvoll gefertigte Möbelstück, das später in einem Wohnzimmer stand. Diese Haltung übernahm ich mit der Zeit ganz selbstverständlich. Ja, Bäume sind mehr als nur Pflanzen – sie sind Lebewesen, sie prägen unsere Welt und verleihen ihr Schönheit.

    Später lernte ich aus Büchern und wissenschaftlichen Beiträgen, dass Bäume in Wäldern durch ihre Wurzelsysteme miteinander verbunden sind. Sie kommunizieren, unterstützen sich gegenseitig und bilden ein Netzwerk des Zusammenhalts. Diese Erkenntnis berührte mich tief – sie spiegelte fast etwas Menschliches wider, im besten Sinne des Wortes.

    Diese Erinnerungen sind geblieben, tief verwurzelt in mir, verbunden mit dem Andenken an einen Vater, der mir die Tore zu Wissen und Staunen öffnete. Ein Privileg, wie ich heute weiß.

    Ein anderes Erlebnis, das mir immer noch im Gedächtnis ist, war eine kleine Wette, die mein Vater mit mir abschloss: Er forderte mich zu einem Sprint heraus, über eine Strecke, die nur mit Steppengras bewachsen war. Ich war beeindruckt, wie schnell er noch war, obwohl er sich damals schon dem 50. Lebensjahr näherte.

    An jenem Tag nahm er mich mit auf seine traditionellen Rundgänge durch den Wald, der eine abwechslungsreiche Vegetation bot: Buchen- und Eichenwälder, die majestätisch gewachsen waren, sowie junge Wälder, die noch die geordneten Reihen ihrer Neupflanzungen zeigten. Bei seinen Begehungen zeigte er mir immer Stellen, an denen Wild zu finden war, und erklärte mir, wie man die Spuren der Tiere liest. Wir sprachen oft über Wildschweine und Rehe, und er zeigte mir, wo diese Tiere „liegen“ – niemals jedoch, um sie zu gefährden. Es war eine stille, respektvolle Beobachtung der Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume.

    All diese Erlebnisse liegen schon lange zurück, aber sie sind tief in meinem Gedächtnis verankert. Diese Zeit mit meinem Vater war nicht nur eine der schönsten, sondern auch eine, in der meine Liebe zur Natur und meine Wertschätzung für Flora und Fauna erwachte. Sie prägten mein grünes Gewissen und meine Haltung gegenüber der Umwelt.

    Danke, Papa – für all das, was du mir beigebracht hast und die wertvollen Momente, die wir zusammen verbringen durften.


    I

    Referenz:

    Ons Jongen a Meedercher“, Opfer des Nazismus, Victimes du Nazisme | Website gepflegt von der Fédération desEnrôlé(e)s de Force Luxemburg.

    ZEIMET Marcel Personal Record in “Ons Jongen a Meedercher” | Datenbank-Eintrag auf “Eis Jongen a Meedercher”, Dossier und Ressourcen zum Arbeitsdienst RAD Salzburg und Reitdorf St Johann im Pongau, Untergrund Aufenthalt in Manternach Usines Lamort.

    1. “Klackenmuer (auch als Glockenmoor bekannt) bezeichnet ein Quellmoor im Waldgebiet ‘Haart’ nahe dem Ort ‘An de Lochewisen.’ Einer lokalen Legende zufolge – von der mein Vater selig noch erzählt hatte – sollen, Ende des 18. Jahrhunderts (um 1795), in diesem Sumpf die Glocken der Pfarrkirche, vor anrückenden französischen Truppen verborgen worden sein. Die feindliche Armee war zu jener Zeit dafür bekannt, bevorzugt große metallene Gegenstände zu konfiszieren, sie zu schmelzen und in Kanonen und anderes Kriegsgerät umzuwandeln – eine Praxis, die an das biblische Motto ‘Schwerter zu Pflugscharen’ erinnert, aber im umgekehrten Sinne. Um diesem Vorhaben zu entgehen, sollen die Dorfältesten die Glocken aus der Kirche entfernt und im Sumpf der ‘Haart’ versenkt haben.” ↩︎
  • Mein katzenliebender Onkel Albert Zeimet wurde nach dem Ersten Weltkrieg geboren

    Mein katzenliebender Onkel Albert Zeimet wurde nach dem Ersten Weltkrieg geboren

    Mein Onkel Albert Zeimet, Jahrgang 1921, geboren kurz nach Ende des 1. Weltkrieges war der älteste Sohn seiner Eltern Angèle Fettes und Michel Zeimet und für mich persönlich mein lieber Patenonkel. 

    Certificat | Acte de Naissance Albert Mathias ZEIMET né à Flaxweiler en date du dimanche 27 mars 1921

    Albert Zeimet war immer sich selbst, konnte und wollte nicht anders, und blieb dieser Eigenschaft bis zuletzt treu: und wenn er ein Eigenbrötler war, so gesehen aus der Perspektive der “Anderen”, und dies – entweder beabsichtigt oder gezwungen, so dennoch ein neuzeitlicher  Aussteiger. Er fühlte sich vielleicht in gewisser Hinsicht freier als andere, die sich gerne zu den “Angepassten und Konformisten” zu zählen beflissen, und leider für sie, noch nicht ahnten, geschweige denn wußten, was tagtäglich gelebter Individualismus sein könnte. 

    Er liebte Katzen und das passte auch zu seiner Persönlichkeit. Es gab da offensichtlich viele Überschneidungspunkte und irgendwie Gemeinsamkeiten, die beide Protagonisten wohl im Gegenüber erkannten und sich genuin gegenseitig sympathisch machten. 

    Was haben er und Katzen gemeinsam? Zunächst einmal das inhärente Einzelgängertum, nach dem Leitmotiv. Sie machten Ihr Ding. Dann zwangsläufig das psychosoziale Außenseitertum und damit verbundene territoriale Bewußtsein, der besondere Lebensstil, und bei Bedarf dessen Verteidigung. 

    Er war demnach ein großer Katzenfreund. Mehr dazu, in Kürze

    Kitty – The lovely, special and unique, so to say – “one and only” cat of Tom ZEIMET

    Albert war eine Persönlichkeit, die Geschichten schrieb – ein Unikum im besten Sinne des Wortes. Wer ihn kannte, der wird dieses Urteil bestätigen. Seine Eigenheiten machten ihn zu einem unvergesslichen Menschen, dessen Leben von überraschenden Wendungen geprägt war. Eine dieser Wendungen betraf seine innige Zuneigung zu Katzen. Doch diese späte Liebe war keineswegs eine Selbstverständlichkeit, denn Alberts frühe Erfahrungen mit den Samtpfoten waren… nun ja, sagen wir es so: Sie waren kompliziert.

    Die Wurzeln dieser komplizierten Beziehung reichten zurück in seine Kindheit. Allem Anschein nach genoss der junge Albert in seinem Elternhaus eine bemerkenswerte Freiheit, was die Haltung, Pflege und vor allem die maßlose Verwöhnung von Katzen anging. Es schien, als ob den kleinen Tigern keinerlei Grenzen gesetzt waren. Doch diese liberale Ära fand ein jähes Ende, als meine Mutter in die Familie kam. Mit ihrem Einzug wurden Katzen aus dem Haus, insbesondere aus den Wohnzimmern, verbannt. Und diese Regel muss eisern gewesen sein, denn in meiner frühen Kindheit erinnere ich mich nicht daran, dass Katzen jemals Zutritt zu unserem Heim hatten. Für die kleinen Fellnasen war unser Haus sozusagen eine “No-Go-Zone”.

  • Eine Wiederholung der erhaltenen Familiennamen in genealogischen Häusern

    Eine Wiederholung der erhaltenen Familiennamen in genealogischen Häusern

    Es scheint ein Zeichen der Zeit zu sein: Immer öfter sieht man seitlich von Eingangstüren, an der Hauswand von altehrwürdigen Wohnhäusern, ein Wandschild.

    Erfahrungsmäßig würde man eher auf die Mitteilung des Sitzes einer Firma oder einer Praxis einer liberalen Freiberuflers tippen.

    Aber das ist es in diesem Fall nicht, sondern auf A5 bis A4 großen Schildern kommt es zur die Mitteilung von Hausnamen, so wie diese in vorherigen, früheren Zeiten verwendet wurden.

    Der interessierte Beobachter wird sich bewusst, dass es somit früher andere Traditionen und Gepflogenheiten gab Mitglieder eines Haushaltes in einer bestimmten Wohnhaus | Wohnstätte zu benennen als die heute der formelle Weg ist, und wie der offizielle Familienname beispielsweise an der Klingel oder am Briefkasten kundgetan wird.

    Der Einfachheit halber wird hier zunächst auf zwei Initiativen hingewiesen die in der Großregion umgesetzt wurden.

    Das erste Beispiel stammt aus der Gemeinde Berdorf im Osten von Luxemburg. Im französischen Sierck-les-Bains findet sich das zweite Beispiel umgesetzt.

    Die auf diesen Schildern zugänglichen Informationen zu einem Haus sind von soziokultureller Bedeutung, die sprachwissenschaftliche Auswertung der verwendeten Namen kann interessante wie auch überraschende Einblick auf Ursprünge geben, wie das viel beachtete LFA “Luxemburgischer Familienatlas” Projekt der Uni Luxembourg anschaulich belegt.

    Aber auch sekundäre Beweggründe treiben diese Initiativen: touristische, kulturelle, genealogische, u.a.m.
    Zudem könnte noch ein weiterer Grund diese Konservierungsmaßnahme befeuern: nämlich die Tatsache, dass dieses kulturelle Wissen langsam aber sicher verschwindet. Die vielfältigen Migrationsbewegungen, ein dynamischer Immobilienmarkt, ein Denkmalschutz der Gebäude aus früheren Zeiten nicht immer ‘erhalten’ kann, alles Phänomene welche das Andenken und die Erinnerung die mit diesen Wohnorten einhergehen nicht sonderlich zu unterstützen vermögen.

    So dass das Anbringen von Wandschildern mit Informationen die eine gewissen Erinnerungskultur in diesem Bereich unterstützen mögen, eine von mehreren Möglichkeiten darstellen geschichtliche Tatsachen noch festzumachen ehe sie riskieren unwiederbringlich in der Vergessenheit abzutauchen.

    In einem nächsten Blog Beitrag werden zwei Hausnamen konkreter beleuchtet: “An Eimjes” (Flaxweiler) und “A Kéipléen | Kéipléier” (Bous | Remich).

  • Meine inspirierende Tante Maria Muller

    Meine inspirierende Tante Maria Muller

    Sie war die älteste Tochter meiner Großeltern, Marie Lucia Wagner und Nicolas Muller, und trug den modischen Vornamen Maria.

    Mit ihrem schwarzen, nach hinten gekämmten Haar sah sie sehr gut aus, attraktiv auf ihre eigene anständige Art, außerdem war sie eine brillante und hervorragende Schülerin in der Schule, von Jugend an ehrgeizig und motiviert, ein höheres Studium zu absolvieren und Lehrerin zu werden.

    Wenn man ihr Aussehen betrachtet (das an römische Züge erinnert), kommt man auf die Idee, dass ihre Herkunft magisch ist: Ihr Vater stammte aus dem Haus mit dem Namen “A Kéipeelen”, das sich in der sogenannten Réimesch (Römischen) Bous-Agglomeration befindet. Ist es also ein Zufall, dass sie das Aussehen einer römischen Göttin hatte, warum nicht Minerva selbst, Beschützerin und Förderin der Intelligenz, der Weisheit, der Künste und des Handwerks.

    MULLER Sisters Bous
    Auf der linken Seite meine Tante “Maria” und auf der rechten Seite meine Mutter “Joséphine”.

    Hier schließt sich der Kreis, denn Maria besaß viele dieser Eigenschaften, war selbst eine begabte Kunstzeichnerin. (Zur Erläuterung: Auf dem Gelände des Anwesens “A Kéipeelen” (der Großvater von Maria Müller) wurde Ende des 19. Jahrhunderts sowohl auf der Ebene des Hauses als auch im Garten ein römisches Mosaik gefunden, zusammen mit Mauerresten einer römischen Villa | Dorfsiedlung.

    Leider hatte das Schicksal unerbittlich zugeschlagen, als sich herausstellte, dass sie an der damals unheilbaren Krankheit Tuberkulose erkrankt war, die in den 1930er Jahren in der Bevölkerung dieses Teils der Welt grassierte.

    Die Diagnose war für alle Beteiligten niederschmetternd, in erster Linie für Maria selbst, aber auch für ihre Eltern, ihre Geschwister, ihre Familie und ihre Freunde.

    Die medizinischen und therapeutischen Mittel, die eingesetzt wurden, um ihr Leben zu retten, reichten nicht aus: eine Überführung in das bekannte Sanatorium in Leysin in der Schweiz und während des Krieges ein Genesungsaufenthalt in der Spezialklinik für Tuberkulosepatienten in Dudelange im Süden des Landes brachten nicht die ersehnte Wende. Die letzte Hoffnung auf Heilung ihres Leidens, die Verfügbarkeit von Penicillin, erfüllte sich für sie nicht. Sie starb kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

    Seit meiner Kindheit hängt ihr Porträtfoto in meinem Bürozimmer zu Hause. Sie lächelt mich immer wieder an, mit einem Ausdruck fürsorglicher Freundlichkeit und Wohlwollen, als gäbe es eine geheime Absprache, ja sogar eine Verschwörung zwischen uns; es ist, als würde sie mich ermutigen, in meinem Leben im Allgemeinen, in meinem Studium und in meinem beruflichen Werdegang im Besonderen erfolgreich zu sein.

    Auch wenn ich, wie jeder Einzelne erfährt, mein eigenes Leben leben und meinem Schicksalsweg folgen muss, ist die aufputschende Aura dieser Tante immer da gewesen. Und ihr Geist ist vordergründig präsent, jeden Tag aufs Neue anregend.

    “Die Tante, die ich nie kennengelernt habe, die mich aber mein ganzes Leben lang in meinen Gedanken und Ideen begleitet und inspiriert hat”

  • Grenzenlose Bildung: Abendkurse am Schengen-Lyzeum Perl für die Großregion

    Grenzenlose Bildung: Abendkurse am Schengen-Lyzeum Perl für die Großregion

    In einer Zeit des schnellen Wandels und des Aufbruchs zu neuen Ufern ist Fort- und Weiterbildung mehr als angesagt. Begriffe und damit verbundene Konzepte wie Lifelong Learning machen die Runde und sind in der Gesellschaft, insbesondere in der Wirtschaft, in aller Munde. Gut ausgebildete Mitarbeiterinnen sind gefragt und werden auf dem Arbeitsmarkt händeringend gesucht. 
     

    schengen-lyzeum-logo

    Lernen kann aber auch die neue Freizeitbeschäftigung von Seniorinnen und Menschen sein, die aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden sind, aber noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

    Das Erlernen einer neuen Sprache (Letzebuergesch | Deutsch | Français | English) ist eine solche Herausforderung, oder die Verbesserung und Erweiterung vorhandener Fähigkeiten im Rahmen eines Nähkurses, oder das Erlernen von Techniken des Yoga bis hin zu Pilates – das sind ausgewählte Kurse, die persönliche Motivationspotenziale freisetzen. 

    In diesem Jahr bieten wir einen ICT-Kurs an, der sich auf Social Media und das Bearbeiten von Video-Sequenzen konzentriert. Dabei setzen wir auf kostenlose Software wie Canva und CapCut. Teilnehmende sollten ein eigenes Endgerät mitbringen; die Bearbeitung der Videos kann bequem auf einem Smartphone erfolgen. Für eine optimale Nutzung empfehlen wir jedoch die Verwendung eines Laptops oder Tablets, da diese Geräte sich besser für die Übungsaufgaben eignen.

    Diese Kurse sind Teil des Angebots für das neue Schuljahr 2025 – 2026 und werden als Präsenzkurse (Wochentag: Montagabend) angeboten.

    Sie richten sich insbesondere an Interessenten aus den Landkreisen Merzig-Wadern, Trier-Saarburg, den Kantonen Remich und Grevenmacher sowie den an Perl angrenzenden Ortschaften und Gemeinden des Arrondissement Thionville im Département Moselle in Frankreich.

    Weitere Informationen zum Kursprogramm erhalten Sie auf der Homepage der Abendschule des Schengen-Lyzeums, auf der Plattform “Lifelong Learning Luxembourg” sowie auf Anfrage bei der Abteilung Abendkurse (E-Mail abendkurse@schengenlyzeum.eu).


    Referenzen: