Einer der ganz großen der Weltliteratur weilte während des 2. Weltkrieges, in Luxemburg, insbesondere im Osten des Landes. Sein Name: Ernest Hemingway. Für eine kurze Zeit wohnte er in Rodenbourg (“Roudemer”) in der Mühle, einem Gebäude in dem auch eine Kommandostelle der amerikanischen Truppen einquartiert war.
Am Eingangsweg zur Roudemer Mühle errichtete man ihm vor etwa zwanzig Jahren ein Monument als Zeichen der Erinnerung an diesen illustren Gast aus Amerika.
Sie erinnern sich an die Passage in Marcel Proust’s epochalen siebenteiligen Literaturwerk, dem Roman mit dem wehmütigen Titel “A la recherche du temps perdu” als er beschreibt wie er ein Stück Zwieback (wird danach als ‘Madeleine’ Feingebäck geführt) in den Tee eingetunkt und der Duft dieser Madeleine lange vergessene Kindheitserinnerungen in ihm erwachte und vor seinem geistigen Auge lebendig machte.
Ja, meine eigenen Kindheitserinnerungen und die Empfindungen, die ich damit verbinde: davon soll die Geschichte dieses Grenzsteins Kunde geben.
Grenzstein mit Inschrift “OD” in Zusammenhang gebracht mit der Reichsabtei St Maximin vor Trier (Photo: Claude ZEIMET)
In gewisser Weise ging es mir ähnlich, “meine Suche nach der verlorenen Zeit” fing auch einmal in einer rezenten Lebensphase an, als ich mich durch verschiedene Umstände angestachelt mit lokaler Geschichtsschreibung und -forschung befasste. Das fing wohl vor einiger Zeit an mit dem intensiven Austausch mit dem Geschichtsfreund, Dr Carlo Schintgen, seines Zeichens auch mein werter Schwager, der sich seit Jahren, möglicherweise sogar schon zeitlebens, mit Schriftstücken aus seiner Heimatstadt, zum Teil Unikate die über hundert Jahre alt sind, die ihm sein Vater und auch seine Mutter (Tagebuch) hinterlassen haben, editorisch auseinandersetzt. Auch wiederholte Kontakte mit einem anerkannten Archäologen im Lande war ein auslösender Moment für das nunmehr entfachte Interesse an der Lokalgeschichte. Es wurde eine Suche nach den eigenen Wurzeln, nach dem was früher war, die Einflüsse aus Kultur, Geschichte und Sozialem, das in meinem früheren Lebensraum gewachsen war, über Generationen wohl weitergetragen wurde, und glaubt man den neuesten Ansätzen der Epigenetik auch hat “vererbt” werden können.
Alles fing vor etwas mehr als fünfzig Jahren an, als mein verehrter Vater, ein anerkennter, profunder Kenner des regionalen Waldgebietes, mich wiederholt mit auf erlebnisreiche, immer für den wissenshungrigen Sohnemann, der ich war und bin, faszinierende Walderkundungen mitnahm. Es war eine besondere Vater-Sohn-Verbindung, innig, liebevoll, geprägt von gegenseitiger tiefer Schätzung. Und seine Führungen durch die großen Wälder öffneten eine neue Welt für mich: Flora und Fauna, die Lebenswelt des Wildes, die Gefahren, aber dann vor allem die Schönheit der Natur.
After the discovery of the border stone: careful clean-up operation
Die Suche nach diesem Stein wurde immer mehr zur unumgänglichen Aufgabe, einem sehr persönlichen, nicht weniger emotionalen Unterfangen. Wobei die Symbolkraft des Steines eine prominente Position erlangte. Steine und die ‘Rites de Passage’, oder ähnlich in Religionen, die ein Stein als Markierung für ein Ereignis von Tragweite ansehen. Ein Stein als Andenken an einen Menschen und sein Wirken.
Diesen wichtigen Stein wiederzufinden war dann aber in der Praxis nicht so einfach, wurde zur Odysee durch Wildwuchs, Zonen mit umgefallenen Bäumen, in dem auch noch ein früher vorhandener Grenzgraben der heute, nach menschlicher Hybris-Aktion, zur metertiefen Gracht entartet war. Wo nun diesen Grenzstein finden? Enttäuschung, Trauer und Schmerz fingen an das freudige Erwartungs-Gefühl des Wiedersehens zu verdrängen.
Wäre da nicht mein Bruder Claude Zeimet gewesen, der sicherlich die Naturliebe unseres gemeinsamen Vaters geerbt und in vielen seiner Projekte verinnerlichte, der als Retter in der Not auftauchte. In einem Telefongespräch zur Frage erklärte er unaufgeregt: “Ich kann Dir genau sagen, wo der Grenzstein zu finden ist.” Und in der Tat, seine Beschreibung des Ortes paßte haargenau. Nur, dass der Standort des Grenzsteines in den letzten Jahren unterschwemmt worden war, dann in die neu entstandene Gracht abgerutscht war, heuer mit Boden überdeckt war, und an der noch sichtbaren oberen Fläche, quasi zur Tarnung, mit dünkelgrünem Moos überwachsen war. Nur noch ein scharfsichtiges Adlerauge hätte dieses Kleinod auf dem hochauflösenden Radarschirm haben können.
Ein Happy End am Ende des Tages? Sicherlich. Nun geht es an die Auswertung der Inschrift, die Analyse von Veröffentlichungen zu den Gutshöfen in der Region, die entweder von der Reichsabtei St. Maximin vor Trier und als Nachbarn an einer solchen memorablen Grenze von einer anderen mächtigen, vermögenden und einflussreichen Reichsabtei, jener aus Echternach gehalten, wurden.
Und ein anderer Gedanke kommt einem zwangsläufig: dieser Grenzstein, wohl beschützt durch die Natur, Wald und respektvolle Eigentümer des Grundstücks bewahrte seinen edlen Standort für Jahrhunderte, derweil nicht unweit hiervon sogenannte “Marken” des Katasters, eine zuweilen sehr kurzzeitige Verweildauer haben, und allzu zu oft nicht nur von ihrem rechtmässigen Standort, gesetzeswidrig ausgehoben werden, sondern dann auch noch in einer Nacht- und Nebelaktion “verschwinden”.
“Grenzsteine muss man anbeten”, hatte mal in früherer Zeit ein ehrbarer Grundbesitzer erklärt. Und man kann diesem Menschen nur zustimmen und beipflichten. Grenzsteine sind Zeitzeugen, Teil unserer persönlichen, lokalen und zum Teil nationalen Erinnerungskultur. Und immer sichtbare Zeichen zur Einhaltung des sehr alten Gebotes “Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren das Weib deines Nächsten, seinen Knecht und seine Magd und seinen Ochsen und seinen Esel und alles, was deines Nächsten ist» (2. Buch Mose 20,14)“
Und schlußendlich: Grenzsteine sind so erhabene von Menschenhand geformte Skulpturen in der Natur, ästhetisch schön als Augenweide, ein Gedicht das auf seine sehr eigene, persönliche, Weise zu uns spricht.
Referenzen:
RESMINI Bertram, Dr (2016): Germania Sacra – Dritte Folge. “Die Benediktinerabtei St. Maximin vor Trier. Die Bistümer der Kirchenprovinz Trier. Das Erzbistum Trier 13. Band 11″.
Die Benediktinerabtei St. Maximin zu Trier – Die Diözesen der Kirchenprovinz Trier – Das Erzbistum Trier 13
Internet-Link zum Eintrag. “Die Abtei, die traditionell als eines der ältesten Klöster Westeuropas gilt, soll im 4. Jahrhundert vom heiligen Maximin von Trier gegründet worden sein”.
Das Titelbild ist mit Bedacht ausgewählt worden. Es zeigt einen für mich mythischen Ort, voller Symbolik, die Themse als nationales Monument, das breite Panorama des Flußdeltas mit einzigartiger Ausdruckskraft, umgeben von den Chiltern Hills, einem Kreideabhang der sich von Goring-on-Thames über Oxfordshire bis nach Bedfordshire erststreckt.
Wie oft stand ich auf dieser Brücke, welche über die Themse (River Thames) gespannt ist, die beiden Kleinod-Ortschaften Goring-on-Thames (South Oxfordshire) und Streatley Hill (West Berkshire) miteinanderverbindet und welche für das berühmte Goring Gap über die lokalen und regionalen Grenzen hinaus touristisch bekannt wurde? Der Aussichtspunkt ist einzigartig, von Symbolik getragen. Der stille Lauf der Themse, die Schleuse (Goring Lock) die schließt und öffnet, immer wieder dem Wasser seinen Lauf zugesteht und die Botschaft des “going with the flow” übermittelt, die majestätischen Schwäne auf dem Fluß, die altehrwürdige Goring Mill (einst der Rückzugsort von George Michael), und etwas weiter flussabwärts die vom Englischen Bauingenieur Isambard Kingdom Brunel, einem der ganz großen der Geschichte des Ingenieurwesens, konzipierte, imposante Eisenbahnbrücke, und am linken Ufer das Ferry Cottage in dem Oscar Wilde eine Zeit lebte und Weltliteratur verfasste. Etwas weiter flußaufwärts eine weitere mittelalterliche Marktstadt “Wallingford”, ihres Zeichens Ort an dem Dame Agatha Christie, die berühmte Schriftstellerin von Kriminalromanen, Kurzgeschichten und Theaterstücken, über 40 Jahre lang am Rande der Stadt lebte und auch dort ihre letzte Ruhestätte fand. Und nicht zuletzt Oxford “Eterna”, die berühmte Stadt Oxford die immer wieder fasziniert durch beeindruckende Architektur und das intellektuelle Flair ihrer renommierten Eliteuniversität.
In diesen illustren Gefilden lebte meine kleine Familie und ich selbst während Jahren als Gäste aber sicherlich auch ein wenig als Anonyme, unbemerkt und unerkannt, aber nichtdestotrotz hat Goring-on-Thames und Oxfordshire, wenn nicht sogar das UK als Ganzes einen immerwährenden Eindruck bei uns hinterlassen.
Und wir fragen uns, ob aus dem vermeintlichen Exil, nicht über die Zeit, in unseren Herzen, ein Heimatgefühl für diesen Ort und viele weitere in UK entstanden ist.
Tom ZEIMET attending the MSc Health Informatics Graduation Ceremony at University of Surrey, Guildford – UK (2005)
Congratulations to this same young man in the picture, now 24 years old, and Alumnus of the Maastricht University, the prestigious as well as internationally renowned Faculty of Law, (aka “Faculteit der Rechtsgeleerdheid”) in the field of European Law (LLB). The Graduation Ceremony will take place end of the month of October 2022 and the title of a LLB Graduate will be discerned to him in a solemn Ceremony at the Sint Janskerk in Maastricht.
Félicitations à ce même jeune homme sur la photo, aujourd’hui âgé de 24 ans, et ancien étudiant de l’Université de Maastricht, plus précisement de sa prestigieuse Faculté de Droit (aka “Faculteit der Rechtsgeleerdheid“) de renommée internationale, et ceci dans le domaine du Droit Européen (LLB). La cérémonie de remise des diplômes aura lieu à la fin du mois d’octobre 2022 et le titre de diplômé LLB lui sera décerné lors d’une cérémonie solennelle à la Sint Janskerk de Maastricht.
Herzlichen Glückwunsch an den jungen Mann auf dem Bild, der mittlerweilen 24 Jahre alt ist und sich Alumnus der Universität Maastricht nennen darf, deren angesehenen und international renommierten Rechtsfakultät (auch bekannt als “Faculteit der Rechtsgeleerdheid“), insbesondere dem Fachbereich Europäisches Recht (LLB). Die Graduiertenfeier wird Ende Oktober 2022 stattfinden und der Titel eines LLB-Absolventen wird ihm in einer feierlichen Zeremonie in der Sint Janskerk in Maastricht verliehen.
Referenz:
Laut dem führenden Bewertungsportal von Universitäten weltweit, The Times Higher Education Ranking (2022), nimmt das European Law Department der Maastricht University, unter den universitären Rechtsfakultäten in der Welt, den bemerkenswerten 23. Platz ein und den fabelhaften 3. Platz in der Europäischen Union (EU).
Die Universität Maastricht steht an 3. Position im Ranking Fachbereich Recht | Rechtswissenschaften in der Europäischen Union
Die Universität Maastricht steht auf der 23. Position in der Weltrangliste für Rechtswissenschaften.
Tom ZEIMET, LLB Europäisches Recht, Universität Maastricht 2022 Abschlussklasse. Das Foto zeigt den erfolgreichen Absolventen nach der Zeremonie in der Sint Jenskerk, die zentral an der Seite des Vrijthofs liegt.
Das Foto oben zeigt Tom ZEIMET LLB European Law mit dem Dekan (Dean) der Faculteit der Rechtsgeleerdheit (FdR) der Universität Maastricht, Prof. Dr. Jan M SMITS anlässlich der BSc LLB Graduation Ceremony in Sint Jans Kerk in Vrijthof Maastricht am Freitag, den 28. Oktober 2022.
Die Unité Sélection des Talents hat Tom Zeimet, LLB European Law (UM), dieses Jahr (10.2024) ein Praktikum am Europäischen Gerichtshof (EUGH) in Luxemburg angeboten.
Tom ZEIMET vor der Galerie der Nationalflaggen der 27 Mitgliedsstaaten die in der Eingangshalle des sogenannten Palast-Gebäudes des Europäischen Gerichtshofes aufgestellt sind.
Das einprägsame Ereignis datiert wohl auf das Jahr 2002 zurück. Es fand in der Oktavzeit statt. Die Eltern des kleinen Knirpses Tom hatten beschlossen, an der Votivmesse des letzten Oktavtages teilzunehmen und begaben sich dafür in die Kathedrale.
Als anonyme Pilger ohne Privilegien nahmen sie im hinteren Drittel des Gotteshauses Platz und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Die Kirche füllte sich allmählich, die Reihen waren voller gespannt wartender Gläubiger. Gegen 10:25 Uhr traten schließlich – von der alten Eingangspforte des Mariendoms her – die Messdiener in einer feierlichen Prozession durch den Mittelgang in die Kathedrale ein.
Es war eine lange Schlange von Würdenträgern, gekleidet in vielfältige Gewänder und mit unterschiedlichen Insignien geschmückt. Tom war wie immer neugierig und voller Erwartung. Doch durch die vielen Menschen, die sich von ihren Stühlen erhoben hatten, war es von seinem Platz aus nicht leicht, das feierliche Spektakel in all seinen Einzelheiten zu verfolgen.
Irgendwie aber hatte er einen Weg gefunden, dennoch die an ihm vorbeiziehenden Persönlichkeiten genau zu beobachten. Alles war in ehrfürchtige Stille gehüllt – nur die Orgel war zu hören, die im Hintergrund eine feierliche Introitus-Melodie anstimmte.
Plötzlich: eine laute Stimme. Wer war das? Tom! Was war bloß in ihn gefahren? In seiner kleinkindlich hohen Tonlage, mit Inbrunst, Überzeugung und einer gewissen Dringlichkeit rief er in die andächtige Stille des Gotteshauses, das geradezu Schweigen und Ergriffenheit einzufordern schien:
„The Pope!“
Es war ihm ernst – sozusagen: „Seht alle her, ich habe den Papst entdeckt!“ Seine eigene Überraschung, vielleicht auch das Gefühl, Zeuge eines einzigartigen Moments zu sein, verwandelte sich in einen spontanen, lauthalsen Ausruf, den jeder in der Kathedrale hören konnte.
Und dann: Gelächter. Zuerst zögerlich, dann aus breiten Teilen des Kirchenschiffs. Viele spürten wohl dieselbe freudige Überwältigung wie der kleine Tom. Wie hätte man diesem plötzlichen Ausbruch, diesem Glücksmoment eines jungen Pilgers, anders begegnen sollen – als mit einem Lächeln und für einige mit einem herzlichem Lachen?
Dann geschah das wahrhaft denkwürdige, unvergessliche Erlebnis für Tom. Erzbischof Fernand Franck – seinerzeit in Amt und Würden, ein Mann des Volkes und frei von Allüren – hatte den pathetischen Ausruf „The Pope!“ sehr wohl gehört. Denn er schritt nur wenige Meter entfernt an Tom vorbei. Inmitten der feierlichen Prozession blieb er plötzlich stehen – wie vom Moment ergriffen – mit einem großen, herzlichen Lächeln im Gesicht.
Die Prozession hielt inne. Vorne wie hinten stockte der Zug, als wolle er diesem ungewöhnlichen Zwischenhalt Raum geben. Der Erzbischof drehte sich leicht zur Seite, blickte über die ersten Reihen hinweg und sah Tom – vier, fünf Stühle weiter entfernt – mit großen, staunenden Augen zu ihm aufschauen. Der kleine Junge war sich offenbar nicht sicher, was er da ausgelöst hatte, und blickte etwas verunsichert zurück.
Doch der Erzbischof lächelte nur noch breiter und trat langsam auf Tom zu. Seine indische Mutter, die an seiner Seite stand, erklärte ihm leise, dass Tom Englisch als Muttersprache spreche. Da bückte sich der geistliche Würdenträger zu ihm hinunter, hielt seinen Bischofsstab würdevoll in der linken Hand – und begrüßte Tom herzlich.
Es muss ein außergewöhnlicher Moment gewesen sein – für beide, aber vor allem für diesen jungen Pilger. Einige der Umstehenden, die das Geschehen beobachten konnten, spendeten leise Applaus – aus Anerkennung für die Geste des obersten Hirten der Luxemburger Kirche.
Was der Erzbischof dem Kind zuflüsterte, blieb ungehört. Vielleicht war es ein Segen, vielleicht ein kurzes Wort der Freundschaft. Vielleicht auch einfach nur ein stilles Geheimnis – a secret to be kept – zwischen diesen beiden Hauptfiguren einer sehr eigenen kleinen Szene.
Dann wandte sich der Kirchenmann wieder um, trat zurück in die Prozession und ging weiter seines Weges. Tom sah seinen Eltern nachdenklich entgegen – und in seinem Innersten fragte er sich wohl, was da eben geschehen war. Ein einziger Ausruf – und ein Würdenträger kam persönlich zu ihm, um ihm die Hand zu reichen? War das Freundschaft? War es mehr?
Vielleicht war Tom der Einzige gewesen, der in diesem Moment den Mut, die Intuition – oder einfach das kindliche Herz – hatte, diesen Heiligen Mann als „The Pope“ zu erkennen. Und vielleicht war Mgr Franck in diesem Augenblick tatsächlich der Papst – zumindest im Herzen dieses Kindes. Eine Begegnung, die für Tom zur Erinnerung fürs Leben wurde.
Tom ZEIMET, LLM Universeit Maastricht with Prof Jan SMIT, the Dean of the Faculty of Law and Professor of Private Law, at the LLM Graduation Ceremony on 28th of November 2025 at the Theater aan het Vrijthof, Maastricht.
It is with genuine pleasure that we celebrate another remarkable achievement in the realm of legal education. Last November 2025, a young scholar (namely Tom ZEIMET) received his LLM Certificate from the University of Maastricht, one of Europe’s most distinguished law departments, from the hands of Professor Jan Smits himself. This accomplishment speaks to an outstanding academic profile built on deep knowledge, refined expertise, and practical competencies that define excellence in the legal profession.
What makes this achievement particularly meaningful is the clear passion for justice —Gerechtigkeit — (in the sense of equity and fairness) that drives this individual forward. In an era where the legal landscape faces unprecedented challenges, from AI regulation and data protection under GDPR to cybersecurity threats and evolving EU Directives, having dedicated professionals who embrace these complexities is essential. Whether working within national frameworks or navigating the broader European Union’s regulatory environment, the need for skilled, principled legal minds has never been greater.
We wish him every success in his quest for a challenging and rewarding career in the field. May his commitment to justice and his rigorous training serve him well as he contributes to shaping the future of law in Europe and beyond.
Es ist nur eine Vermutung, aber sie kann weitgehend mit der bekannten früheren Realität übereinstimmen. Das Haus genannt “A Kéipléen” stand im Ortsteil “Reimisch Bous”. Dieser Bezirk der Ortschaft Bous erlangte zu Ruhm als im 19. Jahrhundert Überreste von Bauten aus der römischen Zeit gefunden wurden. Die Ortschaft Bous und insbesondere die südliche Flanke (“Burgaass”) war Vorposten im Verteidungsring rundum das strategisch wichtige Ricciacus Vicus auf den Anhöhen des Plateaus Welfringen Dalheim Filsdorf Aspelt.
Meine Großeltern auf dem Feld, mit ihrem Ochsen, der das Grundstück pflügt.
Im Garten des Nicolas Muller, seines Zeichens Bauer und Tagelöhner, wurden Mauern gefunden und herausragend hierzu ein römisches Mosaik. Der Hausname wird in den diesbezüglichen Berichten mit “A Kéipeelen” angegeben. Und bis heute blieb der Rufname bestehen.
Wo kommt die Bezeichnung her? Gemäß Wörterbuch der Luxemburgischen Mundart (Engelmann Uni Luxembourg) lautet Keipléer ein Kuhbauer. Nun gab es wohl im 19. Jahrhundert, und sicherlich auch vorher viele niedergelassene Landwirte, die unter anderem auch der Viehzucht nachgingen und eigene Kühe hielten. Die zweite Erklärung des Namens gibt schon etwas mehr Bezug zur Aktivität her: Keipléer wäre ein Kuh-Pflüger. Und hier trittt eine Vermutung hervor, die mit einer bekannten Art Kühe, sprich Ochsen zum Pflügen zu verwenden.
Mein Großvater, namens Nic Müller, und vermutlich bereits seit Generationen in dieser Familie, hielt Ochsen, die er in seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit zum Einsatz brachte: Pflügen, Ackern, Wagen ziehen. Und die mir bekannten Ochsen hatten Namen, einer war der “Felix”, der andere “Caesar”. Der eine Ochse hatte rot-weißes und der andere schwarz-weißes Fell.
Von links nach rechts: meine Großmutter Marie Lucia Wagner, mein Großvater Nic Muller, meine Tante Virginie Muller (sie war die Schwester meiner Mutter).
Die Tiere waren gutmütig und erstaunlicherweise stark. In Bous war Nic Muller für seine Ochsen bekannt, und Ende der 60-ziger Jahre war er auf einen Schlag bekannt im ganzen Land als ein Werbespot gedreht wurde mit dem Motto “Drenk een Pättchen an Eieren ann looss Dech feieren”. In der Werbung sah man einen jungen Mann der etwas zu viel getrunken hatte, und auf dem mit Tēīssel (Deichsel) ausgerüsteten, lenkbarem zweiachsigen Ochsenkarren, lag, und mein Großvater Nic Muller am Lenkersitz seines nach römischen Vorbild gebauten Karrens, der spektakulär gezogen wurde von seinem Ochsen.
Sehr lustig, anachronistisch allemal, aber von der Idee und Umsetzung her ein regelrechter Scoop.
Heute ist der landwirtschaftliche und Winzerbetrieb von Nic Muller und Marie Wagner leider Geschichte, der Name “A Keipeelen” in Bous aber noch präsent und von Alteingesessen immer gerne und liebevoll benutzt.
Morgen (19. März) ist der Namenstag meiner lieben Mutter, die vor zehn Jahren (schon) von uns gegangen ist. Ihr Vorname war Joséphine Cathérine. Aber warum gerade Joséphine? Ich glaube, ich habe inzwischen verstanden, dass ihre Eltern ursprünglich einen Sohn hatten, dem sie den Namen Joseph gaben. Dieser Junge starb jedoch schon in sehr frühem Alter. Das nächste Kind erhielt daher einen ähnlich klingenden Namen, als Zeichen, dass es an die Stelle des verstorbenen und vermissten Kindes treten sollte. Wie sich solche Namenswahl-„Permutationen“ auf die Psyche des nachfolgenden Kindes auswirken können, ist schwer zu begreifen und nachzuvollziehen.
Trotz allem hat meine Mutter ihr Leben lang das Gefühl gehabt, dass es ihre Pflicht war, für das Haus und den Hof ihrer Eltern zu sorgen – zu arbeiten und sich dafür einzusetzen, das Anwesen zu erhalten. Dieser Auftrag blieb ihr auch nach dem Tod ihrer Eltern bis zu ihrem eigenen Tod erhalten. Es war fast wie ein Testament, dessen Anweisungen tief in ihren Herzen verankert waren.
Was denke ich heute am Namenstag meiner Mutter Joséphine Cathérine? Der Name war wohl eine Art Programm: Ersatz für den verstorbenen Bruder und Auftrag, den verlorenen Sohn zu repräsentieren und das Erbe des Hofes fortzuführen.
Neulich habe ich die Etymologie des Namens „Joséphine“ recherchiert. Laut einer Quelle ist „Joséphine“ die weibliche Form von „Josef“ und bedeutet im Hebräischen: „Gott fügt hinzu“ oder „möge vermehren“. Diese Bedeutung macht Sinn und erklärt vieles in meinem Leben und dem meiner Mutter.
Übrigens gibt es viele historische Persönlichkeiten, Literaten und Musiker die diesen Namen getragen oder wie Chris Rea in künstlerischen Werken verarbeitet haben. Besonders bekannt ist ja sein Song “Josephine”, der sich angeblich auf die berühmte Joséphine de Beauharnais bezieht, die erste Frau von Napoleon Bonaparte. Auch heute noch gehört „Joséphine“ zu den beliebtesten Mädchennamen und liegt – wie es scheint – unter den Top 50.
Es gibt eine weitere mögliche Deutung für die Verwendung des schönen Vornamens Joséphine in Chris Reas Song.
Zwar trägt das Lied denselben Namen wie Napoleons erste Ehefrau, doch alles deutet darauf hin, dass es sich um ein sehr persönliches Werk handelt – gewidmet seiner eigenen Tochter Joséphine.
Die Songtexte vermitteln eine tiefe emotionale Bindung und Sehnsucht. Der Sänger beschreibt, wie er an verschiedenen Orten der Welt unterwegs ist, sich aber stets nach Joséphine sehnt. Sie ist sein emotionaler Anker, sein Zuhause. Zeilen wie “There’s rain on my window, but I’m thinking of you” oder “Through the years and miles between us, it’s been a long road to carry you through” unterstreichen die Melancholie der Trennung, aber auch die Beständigkeit seiner Liebe.
Die Botschaft des Songs ist weniger historisch als vielmehr universell: Er handelt von Sehnsucht, Verbundenheit und Liebe trotz räumlicher Distanz.
Ein Lied voller Gefühle und Gedanken – die Liebe eines Vaters zu seiner Tochter. Joséphine von Chris Rea: ein wunderbarer Song mit einer tiefgehenden Melodie.
In meinem Fall spiegelt er die zeitlose Liebe eines Sohnes zu seiner Mutter wider – über das Grab hinweg. Besonders am 19. März, ihrem Namenstag, sind diese Gefühle tief, aufwühlend und emotional.
Der Hausname “An Eimjes” im oberen Teil der Ortschaft Flaxweiler bleibt auch heute noch im Volksmund verwendet, nicht zuletzt von den alteingesessenen Bewohner-innen des Dorfes. Die Familie Zeimet und eine ganze Reihe Generationen leben nachweislich seit Anfang des 18. Jahrhunderts (ab 1720) in dieser Ortschaft und möglicherweise in demselben Einfamilienhaus, das auffällt durch seine mehrstufige Treppe zum Haupteingang und sich von quasi allen anderen Reihenhäusern in der näheren Straßen-Umgebung in dieser Hinsicht unterscheidet.
Seit geraumer Zeit interessiert die Frage, was solche Hausnamen eigentlich verraten über die Menschen, die dort lebten. Wie wurde der Name vergeben? Gibt es Bezugspunkte zu Berufen, Status in der Dorfgemeinschaft, gar Berufen oder markanten Episoden, die sich im Zusammenhang mit dem Wohnhaus zugetragen haben?
Die Spurensuche und das Auffinden von Erklärungsmustern musste ohne Überraschung von Grund auf getätigt werden. Denn die heutigen Bewohner-innen des Hauses, die Nachbarschaft oder gar die Ortsgemeinschaft waren eher überfragt, wenn es darum ging, den Ursprung und die Bedeutung des Hausnamens “An Eimjes” zu eruiren.
Ein erstes Indiz hätte der Umstand ergeben können, dass meine Großmutter mütterlicherseits aus einem Haus kam, das ebenfalls “An Eimjes” genannt wurde, ein bekannter einzelner Hausname in Beyren.
Gab es demnach einen Zusammenhang? Oder war es nur Zufall dass meine Großmutter, Angela Fettes, aus “An Eimjes” in Beyren, ihren Mann Michel Zeimet aus “An Eimjes” in Flaxweiler heiratete?
Gleiche Gesellschaftsklasse, Mitglieder derselben Kaste?
Die Frage wurde in einem Beitrag auf Infolux dem Blog des Letzebuerger Sprooch Departements der Uni Luxembourg gestellt und kompetent sowie differenziert von Dr Sam Mersch beantwortet.
Demnach wäre der Name zurückzuführen auf eine männliche Person welche in diesem Hause lebte und ein hohes Alter erreichte, ein Umstand der ihm und in einer zweiten Phase der Familie den Namenstitel “den Eím” (der Alte) einbrachte. “An Eimjes” wäre demnach die Bezeichnung des Hauses, in dem “der Eim” lebte.
Ob sich in den Chroniken der Ortschaft und Pfarrei nunmehr Personen finden lassen, welche in den letzten 300 Jahren der Präsenz der Familie Zeimet in diesem Haus der Ortschaft ein außergewöhnlich hohes Lebensalter erreichten, bleibt derweil in der aktuell noch zugänglichen Literatur zu untersuchen. Für den Fall, dass die Suchenden findig würden, wäre damit die Hypothese bis auf Weiteres validiert. Dieselbe Suche nach Daten könnte parallel in den Chroniken des Herkunftsortes meiner Großmutter väterlicherseits unternommen werden.
Postscriptum:
Im autobiographischen Buch von Dr. Ing. Marcel Steffes, ein gebürtiger Fluessweiler, ist auf den Seiten 21 bis 24 eine kurze Beschreibung von markanten Bewohner*innen dieses Flaxweiler Dorfes vom besagten Autor vorgenommen worden, unter anderem auch über Mathias ZEIMET, Vater von Michel ZEIMET und dem Großvater von Marcel ZEIMET. Hier ein Ausschnitt des Beitrags: “Und jetzt noch: Eimches Metti, ein grundehrlicher, arbeitsamer, sehr sparsamer, anspruchsloser Mann, der die Idee nie aufgab, wohlhabend zu werden. (…).” “Der interessierte Metti wurde wohlhabend. Er hat schon lange das Zeitliche gesegnet und er war trotz seiner Eigenheit zufriedener als im allgemeinen die Menschen von heute.“
Ein seltenes Lichtbild aus dem Anfang des vorherigen Jahrhunderts das eine street-view Ansicht einer Hauptstraße in einem Dorf mit ländlichem Charakter zeigt. Wie stellt sich diese selbe Wohnstraße heute dar? Fragen Sie einfach mal Google Maps und Google Street View Dienste? Wie hat sich das Leben der Menschen und deren Wohnverhältnissen verändert? Alles zum Besseren?
Was wurde aus der Dorfgemeinschaft, der Nachbarschaft, der Hilfsbereitschaft, dem Vereinsleben? Oft wird beklagt, dass auch kleinere und überschaubare Wohngebiete an der Individualität der Bewohner-innen langsam aber sicher in quasi anonyme Wegpendlersiedlungen verkümmern.
Und hier eine grobe Analyse mit einem ersten Denkansatz: Soll es so weitergehen wie bisher? Urbanistische Projekte in den Dörfern umsetzen, die weiter versiegeln, bestehende mineralische Bausubstanz bestenfalls verputzen, hin- und wieder verschönern, aber dennoch auf alten, traditionellen und sicherlich weitgehend überkommenen Konzepten beruhen oder ist ein strategisches Umdenken erfordert, der einen radikalen Paradigmenwechsel für die zukünftige Dorfentwicklung beinhaltet. Das Dorf als echter “Lebensraum” konzipiert für Nachhaltigkeit, mit sogenannten ‘Shared Spaces’, Wege, die frei und prioritär für Fußgänger, Spaziergeher, Radfahrer, Fahrzeuge der sanften Mobilität ausgelegt sind.
Wie das aussehen kann, muss sich noch ergeben, finden sich aufgrund von ‘Trial and Error‘ Angehensweisen. Sicher ist auch, dass ein soziokultureller Mentalitätswandel erfolgen muß bezüglich des Zusammenlebens in solchen Dorfsiedlungen. Das Abdriften in immer weiter entpersönlichte, quasi anonymisierte Nachbarschaften muß denn auch über Zeit umgekehrt werden. Neue Formen des Zusammenlebens andenken, diskutieren, konkrete Maßnahmen entwerfen: das wäre schon ein wichtiger erster Schritt.
Ist es nicht bezeichnend für eine unklare, bis richtungslose Gemeindepolitik, dass es Gemeinden geben soll in denen es im Jahr 2023 keine öffentliche Bibliothek, kein Museum über die Lokalgeschichte, keine Fotosammlung (Photothek) über Menschen, Örtlichkeiten, Geschichte und relevante Ereignisse gibt? Wie kann denn die Zukunft gestaltet werden, wenn man tagein tagaus im Ephemeren lebt und agiert, und vor allem sich nicht auf seine Wurzeln und Wissens- und Erfahrungsschatz aus der Vergangenheit besinnen und stützen kann.
Es gab Bauernhöfe, die an majestätische Herrenhäuser angrenzten und eine besondere Ausstrahlung hatten. Für uns Kinder waren es jedoch andere Dinge, die uns anzogen, als für die Erwachsenen. Ich kann für mich sagen: Vor allem die dort lebenden Tiere – Hunde und besonders Katzen – hatten es mir angetan. So war es auch auf dem Hof „An Schoulesch“.
„An Schoulesch“ war ein kinderfreundliches Anwesen – nicht zuletzt dank eines alten, mürrischen, aber dennoch sympathischen Junggesellen. Er war streng, aber gerecht, und besaß eine unerwartete Empathie.
Der Hof lag an der Hauptstraße zwischen Ober- und Unterdorf und war imposant in seiner Struktur: ein großes Gehöft mit einem quadratisch angelegten Innenhof, fast wie eine römische Villa. Hier herrschte reges Treiben – Viehställe für Kühe und Rinder, Lagerräume für Getreide und Futtermittel sowie eine Schar von Katzen und der treue alte Hund Mexx prägten das Bild.
Wir Kinder liebten den Hof, weil wir dort willkommen waren und am Leben teilhaben konnten. Die etwas älteren Kinder der Hof-Familie akzeptierten uns, und es gab eine enge Verbindung zwischen unseren Familien: Der Hofherr war ein Schulfreund meines Vaters, seine Frau stammte wie meine Mutter aus der Moselregion. Es waren diese Verbindungen – Freundschaften und Vertrauensverhältnisse auf Augenhöhe –, die das Dorfleben prägten.
Damals war das Leben im Dorf klar strukturiert: Jeder kannte jeden, die Grenzen zwischen privaten und gemeinschaftlichen Räumen waren durchlässig. Man half und unterstützte sich, hatte engen Kontakt zueinander – weit weniger distanziert als das, was wir heute erleben.
An was erinnere ich mich noch aus dieser Zeit? Das eindrücklichste Erlebnis war wohl die erste Schlachtung eines Hausschweins, die ich in meinem Leben miterlebte.
Ich sehe es noch genau vor mir: ein Schwein, aufgezogen auf dem Hof, bestimmt als Fleischlieferant für die große Familie. Die Schlachtung war für mich als kleinen Jungen eine Art “Rite de passage”. Neugierig, voller Wissensdurst und Faszination für die Welt in all ihren Facetten, hatte ich beschlossen, mir dieses vermeintlich schaurige Ereignis aus sicherer Entfernung anzusehen.
Im Dorf gab es einige Männer, die sich mit dem Schlachten auskannten. Einer von ihnen war Baach Jengi, der traditionell bei den „Schoulesch“ zum Einsatz kam. Nicht nur war er über die Ehefrau des Hofherrn mit der Familie verwandt, er galt auch als erfahrener und respektierter Schlachter.
Das Tier wurde aus dem Stall geführt und an die Schlachtbank gebracht. Es schien zu ahnen, was bevorstand. Das war für mich gleichermaßen faszinierend wie herzzerreißend. Doch Mitleid gab es nicht. Keine Verhandlung, keine Alternative, keine Diskussion. Ich erinnere mich, wie ich in diesem Moment dachte: Sollte ich nicht anfangen zu weinen oder nie mehr Fleisch essen? Aus Solidarität mit den Tieren, die ich liebte? Als stiller Protest gegen diese brutale Notwendigkeit?
Mit einem speziellen Schießgerät wurde das Schwein durch einen Kopfschuss getötet. Dann folgte der Todeskampf – eine Szene, die sich tief in mein Gedächtnis brannte. Kochendes Wasser wurde über den Körper gegossen, um die Borsten zu entfernen. Ein entsetzliches Schauspiel. Wie konnte ich, ein sensibler Junge, dieses Prozedere mit ansehen, es ertragen, es in meiner Gefühlswelt verarbeiten?
Der Moment, der mich vollends überforderte, kam, als Baach Jengi den Bauch des toten Tieres mit großen, präzisen Schnitten öffnete. Die Innereien wurden entnommen. Dann griff er mit ruhiger Selbstverständlichkeit nach einem kleinen Stück Gewebe, hielt es mir hin und fragte: „Weißt du, was das ist?“ Ich antwortete nicht – zu erschrocken, zu gelähmt von dem, was hier geschah. Er klärte mich auf: „Das ist die Seele des Schweins.“
Das war zu viel. Hatte ich nicht immer gehört, dass Tiere keine Seele besitzen? Unser Pfarrer hatte es uns eingebläut, und niemand wagte, etwas anderes zu behaupten. Doch nun hielt mir Baach Jengi die Seele eines Schweins buchstäblich vor Augen. War ich belogen worden? Oder wurde ich hier vorgeführt? Oder geriet mein gesamtes, bis dahin unerschütterliches Glaubenssystem ins Wanken? Ich konnte diesen Kampf mit den Erwachsenen nicht aufnehmen, konnte ihren Argumenten nichts entgegensetzen. Also tat ich das Einzige, was mir blieb: Ich lief nach Hause.
Es war zu viel für einen kleinen Jungen, der schon damals, geprägt von den Predigten des Pfarrers und den frommen Lehren seiner Mutter, genau wusste, welche Konsequenzen Gotteslästerung haben würde. Das hier war, in meinen kindlichen Augen, nichts weniger als ein Sakrileg. Ein Verhöhnen all dessen, was mir als heilig vermittelt worden war. Eine Provokation gegen Gott.
Tage später, als die ersten Schockwellen dieses Erlebnisses langsam abebbten, erzählte ich meiner Mutter davon. Ich schilderte ihr jedes Detail: wie ich die Schlachtung mit angesehen hatte, wie Baach Jengi mir die vermeintliche Seele des Schweins gezeigt hatte, und wie er dieses Stück Fleisch dem alten Hofhund Mexx vor die Pfoten geworfen hatte, der es mit einem einzigen Bissen verschlang.
Ich erwartete Empörung, Bestürzung, vielleicht eine moralische Standpauke. Doch meine Mutter blieb ruhig. Das erstaunte mich, war sie doch in religiösen Fragen nicht gerade für ihre Liberalität bekannt.
Stattdessen erklärte sie mir mit einer Schlichtheit, die mich gleichermaßen beruhigte wie beschämte: „Es gibt ein kleines, zartes Stück Fleisch im Körper des Schweins, das als ‘Seele’1 bezeichnet wird. Es wird nicht von Menschen gegessen. Man schneidet es heraus und entsorgt es.“
So einfach. So banal. Kein Mysterium, keine göttliche Verwirrung, keine theologische Katastrophe. Und doch hatte es mich für Tage in Angst versetzt. Ein Kind mit einem zu wörtlichen Verständnis der Dinge, gefangen zwischen Glauben und Wirklichkeit.
In der Tat, wenn Schweine geschlachtet und zerlegt werden vom Metzger, dann wird im Oberkörper des Schweines ein kleiner Teil als “Seele” geortet, ausgeschnitten und entsorgt. Aber, um welches Teil handelt es sich hier? Das, was Metzger als „Seele“ bezeichnen, ist eine Drüse oder ein kleiner Geweberest, der sich im Bereich der Wirbelsäule oder zwischen bestimmten Muskelgruppen befindet. Häufig handelt es sich dabei um Lymphknoten oder das sogenannte „Kammerstück“ – ein Gewebe im Bereich der Brusthöhle oder des Rückens, das aufgrund seiner Konsistenz und möglichen Geschmacksbeeinträchtigung entfernt wird. Diese Tradition hat weniger mit einer echten „Seele“ im spirituellen Sinne zu tun, sondern eher mit anatomischen Besonderheiten des Schweins, die für den Verzehr nicht geeignet sind.↩︎
Wenn an diesem Sonntag, traditionell und wie jedes Jahr, die Fronleichnam-Prozession des Pfarrverbandes Widdebierg in Flaxweiler stattfindet, dann wird zumindest an der “Jesus Erlöser” Kapelle “an der Hiehl” auffallen, dass hier sich etwas unwiederbringlich verändert hat.
Denn die Präsentation der opulenten Blumenbeschmückung dieser Dorfkapelle war für Joséphine Zeimet-Muller das Stelldichein des Jahres. Trotz ihres hohen Alters wollte sie diese Aufgabe so lange es ihr möglich war, voll und ganz wahrzunehmen, und die darin bestand ihre prachtvollen Arrangements vornehmlich mit Rosen-Schnittblumen persönlich herzurichten. Zu diesem Festtag war die Kapelle sozusagen vollgestopft mit Blumensträußen, zur großen Freude der Pfarrgemeinschaft und als Augenweide für jeden interessierten Betrachter einer würdigen Dekoration dieses Monumentes. Und das Bild muss so einprägsam gewesen sein, dass jedes Jahr Dorfbewohner, Passanten und Vorbeifahrende an der Kapelle einen Moment anhalten wollten, um das Blumen-Kunstwerk an diesem Bethaus gar fotografisch festzuhalten.
Nun ist die Meisterin Ende letzten Jahres zu ihrem Schöpfer abgerufen worden. Und viele prophezeiten, dass sich die Kapelle nie mehr so wie bisweilen gewohnt zum Fronleichnamstag präsentieren würde, und dass die Prozessionsteilnehmer sich auf eine etwas dezentere Beschmückung einstellen müssten.
Eine Ära mag zu Ende gegangen sein. Doch dann ist dies wohl der Augenblick für die Pfarrgemeinde, das Engagement und die Schaffenskraft dieser einfachen, dynamischen, hilfsbereiten Frau aus dem Volk zu würdigen und an sie zu erinnern.
Auf der linken Seite meine Tante “Maria” und auf der rechten Seite meine Mutter “Joséphine”.
Joséphine Muller verh. Zeimet wurde am 19. März 1930 in Bous geboren. Ihre Eltern brauchten jede Arbeitskraft, die eine Hand mit anlegen konnte. Schnell musste sie ihre Talente und Qualitäten einsetzen, um ihren Beitrag zu leisten, um sowohl die Familie als auch den kleinen elterlichen Winzer- und Bauernbetrieb über die Runden zu bringen. Dann brach der 2. Weltkrieg aus, die Not wurde schlimmer, zudem musste die Familie in dieser schweren Zeit um das Leben und das Schicksal der todkranken ältesten Tochter Maria Muller kämpfen. All diese Erlebnisse, vor allem die Schicksalschläge aus ihrer Jugendzeit, hinterlassen Spuren und Verletzungen in ihrem Wesen.
Nach dem Krieg nahm sie eine Stelle als Koch-Fachkraft in der Zithaklinik an. Nicht nur ihr Arbeitgeber schätzte ihre Kochkünste, auch in der Pfarrei wurde sie gerne und oft engagiert bei Primizen oder bei Kirchweihfesten.
Schon früh half sie in der Pfarrei Neunkirchen (Pfarrgemeinde der Ortschaften rundum Bous) beim Design und dem Anlegen von Blumenteppichen, die traditionsgemäß für die Fronleichnamsprozession hergerichtet wurden. Fasziniert von dieser Kunst begab sie sich gar einmal in den 1990er Jahren am Fronleichnam-Festtag nach Hüfingen in Baden Württemberg, wohl der bekannteste Ort nördlich der Alpen für durchgehende farbenprächtige Blumenteppiche.
Anfang 1960 heiratete sie Marcel Zeimet aus Flaxweiler, sie hatten zusammen vier Kinder und mittlerweile fünf Enkelkinder. Das Engagement für die Familie und, dann, wenn Zeit dafür blieb für die Angelegenheiten der Kirchengemeinde, waren so etwas wie ein roter Faden in ihrem Leben und dies bis ins hohe Alter hinein. Und ihre Arbeit wurde geschätzt. Das langjährige Schmücken der Kirche mit Blumen, oft in Blumensteck-Arrangements ausgeführt, das delikate Waschen, anschließend komplexe Bügeln und Falten der Altartücher, Chorröcke und Priesteralben forderte ihr ganzes Talent ab.
Aber auch das allwöchentliche, unentgeltliche, ehrenamtliche Dekorieren der Pfarrkirche mit Blumen lag ihr über viele Jahrzehnte am Herzen. So pflegte sie übers Jahr, mit viel Fachkenntnis und reichlich Einsatz, Blumen für jede Jahreszeit. Viel Hingabe forderten besonders übers Jahr selbstgezüchtete Chrysthemenstöcke ab, um zu Allerheiligen und Allerseelen die Kirche für eine kurze Zeit mit weißen Chrysanthemen ausschmücken zu können.
Zu ihrer großen Überraschung ehrte sie Erzbischof Mgr (heute Kardinal) Jean-Claude Hollerich persönlich in der Kathedrale anlässlich der Oktave 2013 für ihr “Lebenswerk”, insbesondere für das Engagement in der Kirche über einen Zeitraum von über 60 Jahren.
Viele ihrer Talente hatte sie für sich selbst und autodidaktisch entwickelt. Dabei hatte sie den Drang und das Bedürfnis, ihre Arbeit immer so gut zu verrichten, wie es ihr nur irgendwie möglich war. Da war ein gewisser Hang zum Perfektionismus zu erkennen und das war denn auch ihr Markenzeichen.
Joséphine Zeimet-Muller war ein naturverbundener Mensch und sie liebte Blumen und Pflanzen über alles. Als sie bei ihrer Heirat zu ihrem Ehemann nach Flaxweiler zog, brachte sie, als Erinnerung an ihre Heimat Bous, welche in der Moselgegend angesiedelt ist, ein paar Weinstöcke mit nach Flaxweiler und bewies über ihre mehr als 50 Jahre in Flaxweiler, dass es möglich sei in diesem Hinterland der Moselregion schmackhafte Trauben zu züchten.
Aber auch ihre Gastfreundschaft war angesehen. Bei “Joséphine” wurde bei Besuch immer gutes, selbst vorbereitetes Essen, zumindest ein Imbiss, aufgetischt. Das war Tradition und Programm bei ihr. Früher als die Dorfgemeinschaften noch anders funktionierten, kamen ältere Nachbarn gerne bei sie ins Haus um “über dieses und jenes zu plaudern”, im Volksmund “zerûchten” genannt. Eine dieser regelmässigen Besucherinnen erklärte immer wieder “et ass engem eppes Neies” um, mit gewisser Bewunderung und ehrlichem Respekt, Bezug auf das Koch-Repertoire ihrer Gastgeberin zu nehmen.
Für ihre Familie war der doch etwas plötzliche Verlust dieser engagierten Person schmerzlich, für die Gemeinschaft des Pârverbandes wird über Zeit wohl sichtbar werden, dass hier ein Mensch ein Vermächtnis hinterlassen hat, welches interessierte Nachahmer als nicht unwesentliche Herausforderung aufgreifen können.
Jesus Erlöser Kapelle (in Privatbesitz Sylvie ZEIMET ép Schintgen): Feierliche Beschmückung für Corpus Christi Fronleichnam-Prozession Flaxweiler [Foto bearbeitet von Tom ZEIMET]
Referenz:
Joséphine Cathérine MULLER geb. Zeimet vor der Flaxweiler Dorfkapelle “Jesus der Erlöser”, am Festtag von “Corpus Christi” anläßlich der feierlichen, jährlichen Fronleichnamsprozession. Die Kapelle wurde von ihr über viele Jahre hinweg geschmückt. Das artistische Herrichten von Blumensteck-Arrangements war eine ihrer vielen großen Fähigkeiten. Foto aufgenommen und bearbeitet von Tom ZEIMET.
Die Anzahl der Blätter der beiden Seerosen-Pflanzen nahm beständig zu und der erste Blick, an einem stillen Augenblick morgens, in den Teich, war verbunden mit der Frage ob sich eine Seerose andeuten wollte. Dieser besondere Moment ist nunmehr eingetreten. Mythisch schön. Magisch und verzaubernd.
Bereits in der Römerzeit gab es bedeutende und strategisch ausgelegte Fernstraßen; wir würden sie heute eher Express-Wege oder Autobahnen nennen. Eine dieser großen Verkehrsadern verlief regional von Metz über Dalheim (Vicus Ricciacus) nach Trier und querte auf der Anhöhe der Ortschaft Flaxweiler die Areale der Gemarkung mit Flurnamen, “auf Lampicht” (Lampbour) durch Felder in denen die beiden Bäche “Deiferbach” und “Donwerbach” entspringen, den “Routaker”, am “Spettelbesch” vorbei zum Ort “am Päsch”, im Volksmunde “um Spettel” genannt, und der “Burwiss”, entlang der “Buchergewân”, “den Rangels” oberhalb der Parzellen “ennert dem Kiem” und über den “Muertendall” (Ort genannt “Burgewân”) bis zum Potaschberg, von dort weiter in die nördliche römische Hauptstadt Augusta Treverorum (das heutige Trier).
Römische Geschichte Interessante Punkte
Das Gebiet um [1] und [3] befindet sich auf dem Widdenberg in Flaxweiler. Der Gott Veraudunus und die Göttin Inciona wurden dort vor etwa 2000 Jahren gemeinsam verehrt. Auch die Bronzeskulptur Schwan | Löwenkampf wurde dort gefunden. Das erwähnte Gebiet war ein bedeutender römischer Tempelbezirk. Die [2] Stelle ist der Standort des römischen Aristokratengrabs (Tumulus) Die [5] Stelle ist der Standort eines Hospitiums (Hotel | Tankstelle), einer Raststätte für Reisende an der römischen Fernstraße (Fernstraße). Die Gegend trägt noch heute den Namen “Op dem Spёttel”. Der Punkt [5] wäre mit dem Ortsnamen Flaxweiler, der eine wörtliche Übersetzung in die lateinische Sprache darstellt, mit den Worten “Linum Villa”.
Spezifischer für das heutige Territorium von Luxemburg, gilt es hervorzuheben, dass die Via Agrippa aus Metz kommend, eine Trasse über Thionville zu dem neuralgischen Knotenpunkt in Dalheim (Ricciacus Vicus) einschlug, dann über Waldbredimus bis Canach (Kaffishaff), über Beyren (Drehkreuz mit der Verbindungsstraße Reims – Trier) nach Flaxweiler einmündete, bis Potaschbierg (Grevenmacher) und weiter nach Wasserbillig. Der Umstand dass diese beiden wichtigen Verkehrsadern auf der Anhöhe des Veraudunus (Widdenberg) in einen gemeinsamen Straßenabschnitt (von und nach Trier) zusammenfliessen scheint wohl teilweise zu erklären, dass es ab hier eine ganze Reihe, zum Teil imposanter Bauwerke gegeben hat. Zum Beispiel das bekannte Tumulus Grab in Flaxweiler, Tempelstätten auf dem Widdenberg (Veraudunus), Brunnenanlagen (Lampbour, Lampicht), das 15-Meter hohe Funerarium (Potaschbierg, Grevenmacher), Gruppen von Tumuli Grabstätten entlang der Via Agrippa in den Felder und Wäldern nahe Flaxweiler, sowie die vermeintliche Verpflegungsstelle “Hospitium” (Spёttel) nahe dem Tombus Tumulus, gedacht für Reisende auf der nahegelegenen Herresstraße. Herausragend sind auch der Fund einer bronzenen Skulptur “Löwe Schwan Kampf” sowie einer Tempel-Steinplatte mit den Namen der Götter Inciona und Veraudunus.
Widdenberg Bronzeskulptur Panther Schwanenkampf
Referenzen:
Omnes Viae – Website | Eine Rekonstruktion einer antiken römischen Karte mit Internet-Technologie. Letzter Zugriff Sonntag 28.08.2022
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